Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-186011
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-186429
dung mit Rom die Mittel zu einem ähnlichen Wachsthum suchten 
und fanden. Die Idee der ungetrennten Einheit der Christeni 
heit, welche die Gemüther Jahrhunderte lang beherrscht, konnte 
unmöglich mit einem Mal so unwirksam geworden sein, um gar 
keinen Anklang weiter zu finden. 
Sollte nun aber, wie doch auch nothwendig war, dieser 
Widerstand überwunden werden, so würde man die evangelischen 
Stände verkennen, wenn man ihnen die Absicht beimäße, das 
Kaiserthum umzusiürzen, das Reich zu zersprengen. Ein Ges 
danke, der ihnen gar nicht in den. Sinn kommen konnte. In 
dem Reiche sahen sie vielmehr eine göttliche Institution, nach 
dem Propheten Daniel, in ihrer Verbindung mit demselben die 
Grundbedingung, ihres Bestehens und ihrer Macht, ihre vors 
nehmste Ehre. Auch wollte nicht etwa Einer oder der Andere 
von ihnen die oberste Würde selbst in Besitz nehmen: dazu 
fühlte Keiner die Kraft in sich, regte sich in Keinem vielleicht 
auch nur ein t3orübergehendes Begehren. Jhr4Streben ging 
allein dahin, der Reichsgewalt und namentlich dems.Fiaiser, 
welchen sie, nur mit dem Vorbehalt des unmittelbaren göttlichen 
Gebots, als ihre Obrigkeit anerkannten, hinwieder die Aners 
kennung ihrer auf den Grund der Srhrift unternommenen Vers 
änderungen abzugewinnen. Hatten sie doch auch Beschlüsse der 
früheren Reichstage und dadurch ein positives Recht für sich. 
Sie wünschen nichts, als in den Frieden des Reiches, aus 
welchem man sie in den letzten Jahren gestoßen, wieder aufges 
nommen zu werden: wie sich versteht, mit Beibehaltung der 
Reformen die sie mit gutem Grunde getroffen haben. Hiezu 
bedarf es einer Modification der Reichsgerichte und der alten 
oder neuen Gesetze, auf welche dieselben angewiesen sind, einer 
Milderung des Verhältnisses der Reicbsgewalt zu dem römischen 
Stuhle: eben das ist alles was sie verlangen. 
Wie sie sich den desituetiven Tendenzen überhaupt wider: 
setzen: wie sie in kirchlicher und dogmatischer Hinsicht nur das 
ihnen mit der Schrift im Widerspruch Erscheinende entfernen; 
so wollen sie auch in.den Angelegenheiten des Reiches keinen 
Schrittiweiter gehen, als es zur Behauptung eben dieser Ums 
soandlung unmittelbar erforderlich ist. 
        

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