Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-181781
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-185619
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Viertes 
BuChs 
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CaPiicl. 
sen, diese Bewegung zu erdrücken; allein sie vermochte es nicht. 
Die Balle des Palastes ward nicht ausgeführt. Den Anords 
nungen der Bischöfe lich man in einem Theile des Reiches Von 
weltlicher Seite den Arm nicht mehr. Die neuen lleberzeus 
gungen waren in einer Anzahl von Reichssürsten so stark ges 
worden, daß sie sich nicht dazu verpflichtet achteten. 
Die kirchliche Gewalt hatte sich deshalb an die kaiserliche 
gewendet: ein Edict zu ihren Gunsten war ergangen; allein 
wie dessen Ursprung nicht in einem großen Gefühl der allges 
meinen Nothwendigkeit, sondern in einseitigen politischen Rück: 
sichten lag, so hatte man gar bald unmöglich gefunden es auss 
zuführen. Nach alle dem Hin und Widerfluthen der religiösen 
Bewegungen hatte man sich endlich am Reichstag entschlossen, 
es zwar nicht zu widerrufen, aber doch in eines Jeden eignes 
Ermessen zu stellen ob er es ausführen wolle oder nicht. 
Was sollte nun unter diesen Umständen in den von den 
Reformationsideen ergrifsenen Gebieten geschehen2 Sollten die 
Fürsten eine Autorität wiederherstellen, mit der sie unaufhörlich 
in bittern 3tvistigkeiten gelegen, die einen allgemeinen nationas 
len Widerwillen gegen sich erweckt hatte, und deren Amtsführung 
sie sogar für unchristlich hieltenZ Der Reichsabschied befahl 
ihnen das nicht. Es ist darin davon die Rede, daß Niemand 
seiner Güter und seines Einkommens zu berauben sei: der 
Herstellung der geistlichen Jurisdiction hatte man absichtlich 
nicht gedacht. Oder sollten sie warten, bis einmal ein Cons 
cilium zusammenträte und Ordnung machte2 Es war nicht 
abzusehen, wann das geschehen würde: der Reichstag selbst 
hatte es unmöglich gefunden. Man durfte die Dinge nicht 
ihren innern Trieben oder dem Zufall überlassen. Sollte nicht 
eine wilde Anarchie, so mußten die bestehenden rechtmäßigen 
Gewalten dazu schreiten, Ordnung zu machen. 
Fragen wir was die deutschen Fürsten dazu berechtigte, 
so läßt sich ihnen wohl nicht eine Art bischöflicher Gewalt 
zuschreiben, wenigstens im Anfang nicht. Eben bei dieser Geg 
legenheit erklärt Luther ausdrücklich, .,der weltlichen Obrigkeit 
sei nicht befohlen geistlich zu regieren.t Eher ließe sich eine 
andere Meinung die man aufgestellt hat, vertheidigen, daß items
        

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