Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-181781
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-182204
Unruhen in 
W ittenbcrg. 
11 
Unmöglich aber wäre es gewesen, stehen zu bleiben. Die 
Aufregung der Gemüther war zu groß, um sich mit der Docs 
trin allein zu begnügen. Auf die Lehren die man erschüttert, 
waren Gebränche gegründet die jeden Augenblick des täglichen 
Lebens beherefchten; von dieser thatkriiftigen, sich selber fühlens 
den, durch mächtig erwachende Jdeen vorwärts getriebenen 
Generation ließ sich nicht erwarten daß sie ihrer Ueberzeugung 
Gewalt anthun, und Ordnungen befolgen würde die sie zu 
verdammen anfing. 
Das Erste was geschah war das Allerpersönlichste. 
Ein paar Pfarrer in der Nähe, die sich zu der Witten: 
berger Schule hielten, iJacob Seidler aus der Glashütte und 
Bartholomäus Vernhardi von Kemberg sprachen sich selbst von 
der Pflicht des Cölibates los. Es war das diejenige Einrichtung 
der Hierarchie, die wegen der natürlichen Neigung der Deutschen 
zu einem traulichen Familienleben bei dem deutschen Clerus von 
Anfang den meisten Widerspruch gesunden, und in ihren Folgen 
die Moral der Nation am tiefsten verletzt hatte. Die beiden 
Pfarrer gaben als ihren Grund an, daß es keinem Papst und 
keiner Shnode sreigesianden, die Kirche mit einer SaHuug zu 
beschweren, welche Leib und Seele gefährde1J. Hierauf wurden 
beide von der geistlichen Gewalt in Anspruch genommen. Aber 
nur Seidler, in dem Gebiete des Herzogs Georg Von Sachsen, 
ward ihr überlassen: er ist da in dem Gefängniß umgekommen. 
Gegen Vernhardi lieh Churfürst Friedrich dem Erzbischof von 
Magdebnrg seinen Arm nicht: er wollte sich, wie Spalatin es 
ausdrückt, nicht zum Schergen brauchen lassen. Carlsiadt faßte 
Muth, das Institut des Cölibates in einer ausführlichen Schrift 
t11Iz11greisen. 
Wie der Cölibat die Uebertragung eines Mönchsgelübdes 
Auf TM Priefierstand war, so stand die Auflösung desselben auch 
mit den Ideen über das Klosterwesen in Verbindung. Jn der 
kIEiUM AU9Ufiinerkirthe in welcher Luther anfangs aufgetreten, 
U Quid statuerint pontjHcji canones 11ihi1 ref Ist cl r.stjanot11m 
 sPgktcUbEkSEV Thcologen an. den BifIhof 1vclJ1s Meißen:
        

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