Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-181781
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-183967
Anfang entgegengesetzter 
Bünd11iffe. 
187 
 Es schien fast, nachdem sich der lutherischen Bewegung ein 
Bauernausruhr zugesellt hatte, wie der wiklyffitischen, als würde 
jene wie diese nun auch. von der Reaction dagegen betroffen 
und vielleicht zu Grunde gerichtet werden. 
Allein sie war doch schon bei weitem besser nnd fester ge: 
gründet. In dem nördlichen wie in dem südlichen Deutschland 
besaß sie entschlossene und mächtige Verfechter. 
Landgraf Philipp hatte auch Vor Mühlhausen einen eVan: 
gelischen Prediger mit sich gehabt und Herzog Georg war in 
sde:n Moment jener Vorhaltung durch den Anblick desselben be: 
Hoffen worden. Immer mehr vertiefte sich Philipp seitdem in 
die evangelischen Ueberzeugungen. Man muß die Briefe lesen, 
welche er noch in diesem Jahre an Herzog Georg schrieb, worin 
er bald die Lehre vom Canon und der Messe, bald die Jdee 
von der Kirche oder die Verbindlichkeit der Gelübde bestreiten 
man steht da, mit welchem jugendlichen und doch ernsten Eifer 
er die neuen Doctrincn ergriff, welche ausgebreitete mtd lebendige 
Kunde der beweisenden Stellen er sich schon verschafft hatte0. 
. Eben so war es in Sachsen. Statt die Bahn seines Vots 
fahren zu Verlassen, schritt der neue Churfürst noch viel ent: 
schlossener auf derselben vorwärts. Als er im August 1525 von 
Weimar auszog, ließ er die Priesterschaft dieses Amtes noch 
einmal zusammenberufen  es war der 16te dieses Monats  
und ihr, nachdem sie durch zwei Predigten vorbereitet worden, 
ankündigen, daß sie in Zukunft das lautete Wort Gottes ohne 
allen menschlichen Zusatz zu predigen habe2J. Es waren einige 
ältere Priester dabei, welche die Meinung äußerten, es werde 
ihnen damit doch nicht verboten, Seelmessen zu halten, Salz 
und Wasser zu weihen: sie wurden bedeutet, was Von dem 
Worte gelte, sei auch von den Ceritnonien zu verstehn. 
Ja Folge des Mühlhauser Abschiedes hielt der Churfürst 
eine Zusammenkunft mit Markgraf Casitnir von Brandenburg 
U No1nmels Urkundcnbuch p. 2. 
2J ,,Das man das lauter rayn Evangelion on mmschliäpc Zusaxzung 
predigen soll, fürstlichcr Bcfelch zu Weymar befchehm.H Sendfchrciben 
des Pfarrers Kiß1vetter zu Ekfurt an ,,Hm Hqimsikhkkk Pfaxhkr zu Elx; 
leben a. d. Gcra.U 1525.
        

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