Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-181781
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-183222
Voll 
Reichstag 
1524. 
113 
antiröInischen Tendenzen, die so tiefe Wurzeln geschlagen, so 
weit aufgeben, um es auf die Resultate einer Versammlung 
aus allen Nationen ankommen zu lassen2 
Eben in dem Augenblicke, als die Vertreter der refOmato: 
rischen Absichten, die im Regiment saßen, gestürzt wurden, fühlte 
man die Nothivendigkeit doppelt, ihre Bestrebungen auf irgend 
eine andre Weise zu ersetzen: die Vertheidiger der Neuerung 
nahmen ihre Kräfte um so mehr zusammen, und brachten es 
zu dem merkwiirdigsien Beschluß. 
Noch war die Frage übrig, welche früher so wichtig ge: 
worden, wie es mittlerweile, bis zu dem Concilium, in Deutsch; 
land gehalten werden solle. Jn dieser Hinsicht faßte man allem 
Widerspruch zum Trotz einen Beschluß der noch außerordent: 
licher und weitaussehender war wie der vor1ährige. Man setzte 
fest, daß noch in dem laufenden Jahre, im November, eine 
Versammlung der Stände zu Speier gehalten werden solle, um 
darüber definitiv zu berathsehlagen. Zu dem Ende sollten die 
Fürsten von ihren Räthen und Gelehrten die streitigen Puncte 
verzeichnen lassen, über die man dort zu Rathe gehn und Be: 
stimmung treffen wolle. Auch die Beschwerden der Nation und 
ihre Abhülfe wollte man da aufs neue in Erwägung ziehen. 
Indessen sollte, wie vor dem Jahr beschlossen, das heilige Evan: 
gelium und Gottes Wort gepredigt werden O. 
U Abschied des Reich6tags zu Nürnberg aufgericht, 18ten April 
1524. Wenn man nach diesem Abschied die Schrift Luthers liest: ,,zwe1 
kaiserliehe uneinige und widerwärtige Gebote0 CAltenb. ll, 762J, so erstaunt 
man daß er so wenig damit zufrieden ist. Das rührt aber daher, daß 
in dem Mandat, we ches auf den Abschied gegründet wurde, die Beftim: 
mutig daß das heilige Evangelium gelehrt werden solle weggelassen, und 
dafür ein ganz außerordentlicher Nachdruck auf die Beobachtung des 
Wormser Edietes gelegt ist: die Clansel ,,so viel möglichE findet sieh zwar 
darin, aber fie verschwindet fast unter dem Schwall der Wiederholungen 
des Wormser Edietes. Man sieht daraus, welchen Einfluß nach Ab: 
schaffung des alten Recgimente6idie Reichscanzlei empßng. Den Abschied 
selbst scheint Luther ni it gekannt zu haben, noch weniger die demselben 
vorhergcgangencn Verhandlungen. ,s Bei weitem besser übersahen der 
kaiserliche Gefandte Hannakt und der Päpstliche Le at die Sache. Sie 
hielten es für einen Gewinn, daß wenigstens der Staate Nationalconeil 
Rasse: D. Gesetz. II. 8
        

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