Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-177150
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-180141
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Buch. 
Zweites 
ErfteS 
Capitcl; 
iichtheit eines dem Augustin zugeschriebenen Buches entdeckt, 
aus welches die Scholastiker viele der ihm widerwärtigsten 
Lehren gegründet hatten, welches in die Sentenzen des Loms 
bardus fast ganz aufgenommen worden war, de vers: et taiSa 
poenitontia; dann faßt er sich das Herz, die Lehre der Scotisten 
von der Liebe, des Magister sententiarum von der Hofnung zu 
bestreiten;  schon ist er überzeugt, daß es keine an und für 
sich Gott wohlgesällige Werke gebe, wie Beten, Fasten, Nacht: 
wachen: denn da es dabei doch darauf ankomme, ob sie in der 
Furcht Gottes geschehen, so sei jede andere Beschäftigung im 
Grunde eben so gut. 
J1n Gegensas mit einigen Aeußerungen deutscher Theologen, 
welche ihm pelagianisch erscheinen, ergreift er mit entschlossener 
Festigkeit auch die härteren Bestimmungen des augusiinianischen 
Begriffs: einer feiner Schüler vertheidigt die Lehre von der 
Unfreiheit des Willens, von der 1lnfähigkeit des Menschen sich 
durch seine eignen Kräfte zur Gnade vorzubereiten, geschweige 
sie zu erwerben, in feierlicher Disputation1J. Und fragen wir 
nun, worin er die Vermittelung zwischen göttlicher Vol1ko1nmens 
heit und menschlicher Siindlichkeit sieht, so ist es allein das 
Geheimniß der Erlösung, das geofsenbartc Wort, Erbarmen 
auf der einen, Glauben auf der andern Seite. Schon werden 
ihm von diesem Punkte aus mehrere Hauptlchren der Kirche 
zweifelhaft. Den Ablaß leugnet er noch nicht, aber schon 1516 ist 
es ihm bedenklich, daß der Mensch dadurch die Gnade eins 
psangen solle: der Seele werde dadurch die.Begierde nicht 
genommen, die Liebe nicht eingeflößt, wozu vielmehr die Er; 
leuchtung des Geiäes, die Beseuerung des Willens, unmtttels 
bare Einwirkung des Ewigen gehöre: denn nur in der tiefsten 
Jnnerlichkeit weiß er die Religion zu begreifenIJ. Es wird 
ihm schon zweifelhaft, ob man den Heiligen die mancherlei 
1J Qapestio 
Löschrr I, 32ö. 
de 
vikibus 
et 
gkatia 
bei 
2J sama XII Fast Tkiaitatis. 
Bgo not: satis intcll1go hanc kein: 
P. 761. 
Er sagt noch zuweilen selbst: 
manet duldsam etc. Löschcr
        

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