Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-177150
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-180105
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Bachs 
Zweitcs 
Etsies 
Capitel. 
innerlich und nsirksan1 berührt wurde, kein Beichtvater darum 
wissen wollte. Es kamen Momente  damals oder später  
wo die angstvolle Schwermuth sich aus den geheimen Tiefen 
der Seele gewaltig über ihn erhob, ihre dunkeln Fittige um 
sein Haupt schwang, ihn ganz darniederwarf. Als er sich einst 
wieder ein paar Tage unsichtbar gemacht hatte, erbrachen einige 
Freunde seine Zelle, und fanden ihn ohnmLichtig, ohne Besinnung 
ausgestreckt. Sie kannten ihren Freund: mit schonungsvoller 
Einsicht schlugen sie das Saitenspiel an, das sie mitgebracht: 
unter der wohlbekannten Weise stellte die mit sich selber hadernde 
Seele die Harmonie ihrer innern Triebe wieder her, und ers 
wachte zu gesundem Bewußtsein. 
Liegt es aber nicht in den Geseyen der ewigen Weltords 
nung, daß ein so wahres Bedürfniß der Gott suchenden Seele 
dann auch wieder durch die Fülle der Ueberzeugung befriedigt wird2 
Der Erste der Luthern in seinem Verzweiflungsvollen Zu: 
siande man kann ,nicht sagen Trost gab, aber einen Lichtstrahl 
in seine Nacht fallen ließ, war ein alter Augustinerbruder, der 
ihn in väterlichein Zuspruch auf die einfachste erste Wahrheit 
des Christenthums hinwies, auf die Vergebung der Sünden 
durch den Glauben an den Erlöser: auf die Lehre Pauli Römer 
am dritten daß der Mensch gerecht werde ohne des GeseHes 
Werke, allein durch den GlaubenIJ. Lehren, die er wohl auch 
früher gehört haben mochte, die er aber in ihrer Verdunkelung 
durch Schuln1einungen und Cerimoniendienst nie recht verstanden, 
die erst seht einen vollen durchgreifenden Eindruck auf ihn machten. 
Er sann hauptsächlich dem Sprache nach: der Gerechte lebet 
seines Glaubens; er las die Erklärung Augustins darüber: 
.,da ward ich frohE, sagt er, .,denn ich lernte und sah, daß 
Gottes Gerechtigkeit ist seine Barmherzigkeit, durch welche er 
uns gerecht achtet und hält: da reimte ich Gerechtigkeit und 
U Karzer Bericht Melanä;ihons vom Leben Lutheri. Werke Altenb. 
Vl1I, 876. Vgl. MatheßuS Hiftorien Dr Luthers. E1sße Prediat p. 12; 
Bavaru6 bei Seckendorf Hist. l.utl1ekanismi p. 2l. VHl. Gelzer zu 
Gustav Königs bildlidhen Datstel1ungen Nr. lX. Jürgens Leben L11thers 
l, I. p. 286. Doch verzichten wir darauf, die Ereignisse der Jugend, die 
zum Theil saget3hait überliefert sind, mit vollkommner hI11orcscher Ge:, 
nanigkeit zu bestimmen. O
        

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