Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die römischen Päpste, ihre Kirche und ihr Staat im sechszehnten und siebzehnten Jahrhundert
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-170702
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-173435
Napoleonische Zeiten. 
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Gewalt dem Reiche unterworfen und sie wenigstens mittels 
bar in die Hände des Kaisers niedergelegt haben würde. 
Wie wollte es. aber gelingen, was doch unerläs3lich 
war, auch den Papst zur Einwilligung in diese Herabi 
wiirdigung zu ver1nö.gen. Pius VII hatte den letzten Mo: 
ment seiner Freiheit benutzt, um die Excom1nnnication ans: 
zusprechen. Er versagte den Bischöfen die der Kaiser er: 
nannte die canonische Institution. Napoleon war nicht so 
vollkom1nen Herr seines Clerus, dasz er nicht bald von der 
einen, bald von der andern, auch wohl von der deutschen 
Seite her Rückwirkungen hieben empfunden hätte. 
Aber eben dieser Widerstand diente zuletzt dazu, den 
Papst zu iiberwältigen. Die Folgen davon fielen dem 
kirchlichen Oberhaupte, das ein Mitgefiihl mit dem innern 
Zustande der Kirche hatte, um vieles schmerzlieher als dein 
weltlichen, dein ja die geistlichen Dinge nur ein Mittel der 
Macht waren, in sich selbst gleichgültig.   
In Savona, wohin man den Papst gebracht, war er 
einsam, auf sich selbst beschränkt, ohne Rathgeber. Durch 
lebhafte und fast iibertriebene Vorstellungen von der Ver: 
wirruug der Kirche, welche eine Verwirrung der Jnstitution 
nach sich ziehe, ward der gute Mensch wirklich vermocht, 
obwohl unter bitteren Schn1erzen nnd heftigem Sträuben, 
dieses Recht doch eigentlich aufzugeben. Denn was heißt 
es anders, wenn er es den Metropolitanen überträgt, so 
oft als er selbst aus einem anderen Grunde als wegen 
persönlicher Unwiirdigkeit länger als sechs Monate zögere, 
es auszuüben. Er verzichtete auf das Recht, in welchem 
doch in Wahrheit seine letzte Waffe bestand. 
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