Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die römischen Päpste, ihre Kirche und ihr Staat im sechszehnten und siebzehnten Jahrhundert
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-164159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-169259
 Europa ist in zwei Welten geschieden, die sich auf 
jedem Punkt umfassen, beschränken, ausstoßen, bekämpfen. 
Vergleichen wir sie im Allgemeinen, so stellt die kathoi 
lische Seite zunächst eine bei weitem größere Einheit dar. 
Zwar wissen wir wohl, daß es ihr nieht an innern Feindi 
seligkeiten fehlt, aber diese sind doch fürs Erste beschwichtigt. 
Vor allem, zwischen Frankreich und Spanien besteht ein 
gutes und sogar vertrauliches Vernehmen: dann will es 
nicht viel sagen, dasz sich der alte Widerwille Von Venedig 
oder Savoyen zuweilen regt: selbst so gefährliche Attentate 
wie jene Verschwörung gegen Venedig gehn ohne Erschütterung 
vorüber. Papst Paul V zeigte sich, nachdem ihm seine 
ersten Erfahrungen eine so nachdrückliche Lehre ertheilt, 
ruhig und gemäszigt: er verstand es den Frieden zwischen 
den katholischen älFchten aufrecht zu erhalten, und dann 
nnd wann gab er ein Moment der gemeinschaftlichen 
Politik an. Die Protestanten dagegen hatten nicht allein 
überhaupt keinen Mittelpunkt: seit dem Tode der englischen 
Elisabeth und der Thronbesteigung Jakobs des I, der von 
Anfange an, eine etwas zweideutige Politik beobachtete, nicht 
einmal eine vorwaltende Macht. Lutheraner und Reformirte 
standen einander mit einem Widerwillen gegenüber, der 
nothwendig zu entgegengesetzten politischen Maßregeln 
führte. Aber auch die Resormirten selbst waren unter 
einander entzweit: Episcopalen und Puritaner, Arminianer 
und Gomaristen bekämpften sich mit wildem Haß: in der 
Assemblee der Hugenotten zu Saumur 1611 brach ein 
Zwiespalt aus, der niemals wieder gründlich beigelegt 
werden konnte.  
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