Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lorenzo de' Medici il Magnifico
Person:
Reumont, Alfred von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-151319
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-152540
Morgante n1aggiore. 
die Höfe 
und 
Die Epopöe 
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Stimmung verleiht, aber das Christenthum kämpft mit Skepsis 
und Verneinung, so daß Kirchen: und Volksglaube zurück: 
gedrängt werden. Ja dieser Beziehung ist der Morgante ein 
rechter Spiegel der Zeit. Wie er in seiner vollbewußten, an 
keine dichterische Regel noch Vorbild gebundenen Beherrschung 
des Stoffes ein Gemisch von Ernst und Ironie, von Christen: 
thum und Unglauben, von biblischen Texten und profanen 
Wit3en ist, so bietet er auch die sehneidendsten Contraste von 
gesundem Menschenverstand und Unsinn, von Feinheit und 
Geschmacklosigkeit, von großartigem Schwunge und possen: 
reißerischer Ko1uik. Die Eigenschaften die wir hier sehr un: 
vollkommen und oft nur äußerlich aber in verschiedenstem 
Maße vereinigt finden, haben sich bei spätern Dichtern ge: 
klärt und geschieden. Luigi Pulci aber wird mehr als durch 
sein, als concrete Leistung betrachtet, nach allen Seiten hin 
der Vollendung entbehrendes Werk, dadurch immer.Bedeutung 
bewahren, daß in diesem Werke gleichsam die Keime der 
romantischen Epopöe in deren verschiedenen Richtungen vor: 
handen sind. Bringt man in Anschlag, daß die beiden ältesten 
Rittergedichte der italienischen Literatur, der Morgante und 
der Cirifso, gewissermaßen im Mediceischen Hause entstanden 
sind, so kann man nicht umhin daran erinnert zu werden, 
wie diese ganze poetische Gattung bis zum Besreiten Jetzt: 
salem, womit sie ihren Abschluß findet, mit dem Hofleben 
zusammenhängt, das sich in ihren sonst so verschiedenartigen 
Producten unaufhörlich abspiegelt. Von dem die Einfachheit 
und Behaglichkeit des freien Bürgerlebens inmitten allen 
Einflusses und Glanzes noch nicht verleugnenden Hause Co: 
simo7s, Piero7s, Lorenzo7s de, Medici zu dem ceremoniösen 
Hofe der Estensischen Alfonse ist allerdings ein gewaltiger 
Schritt, und die Pulci haben die Genealogie ihrer Gönner 
noch nicht, an Halbgötter ankniipfend, in ihre Octaven
        

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