Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von Maximilian I. bis zur neuesten Zeit
Person:
Stacke, Ludwig Christian Boehm, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-134887
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-142640
XVIII. 
zum Tode 
Die Zeit der heiligen 2lllianz bis 
Friedrich lVilheln1S Ill. 
1. Die heilige 2llIian3 (26. September 1815). Rückblick auf den 
Pariser Frieden. 
wenn uns in den Anschauungen der Generation, welche die Freiheits3kriege 
dnrchkän1pft hat, und besonders in den Liedern der Sänger dieses Kampfes 
wiederholt der Gedanke entgegentritt, das; es sich hier um einen heiligen Krieg 
handele, in dein Gott selbst die Fahne der Gerechtigkeit zum Siege führe, so 
kann es nicht befremden, daß der unerivartet schnelle Sturz des vermefsenen 
Eroberers- auch in den Herzen der Fürsten die Vorstellung wachrief, daß der 
Siegespreis allein dem Herrn der Heerscharen gebiihre und daher dem 
Allmächtigen ein ganz besonderer Dank abzustatteu sei. 
Wie hätte nicht König Friedrich Wilhelm sich der angstvollen Stunden 
-nach der Schlacht von Baute-en erinnern sollen,-wo er a11f einsamen1Ritte gegen 
den Kaiser Alexander geäußert: ,,JetHt kann uns nur Gott allein noch retten; 
siegen wir, so wollen wir ihm vor aller Welt die Ehre geben." Auch dem 
leicht erregbaren Alexander war dass Andenken an diese weihen-.)lIe Stunde 
noch nicht entschwunden; obendrein den nn)stischen Schwärmereien der Frau von 
Krüdener ergeben, beschloß der Zar", den Gedanken Friedrich Wilhelms eigen- - 
artig zu verwirklichen und verfaßte mit eigener Hand die Urkunde der ,,Heiligen 
AUiUUö-" -Am W- SCPkCU1b01",  die Monarchen waren nach Vertus zu einer ists 
Musterung der russischen Truppen gefahren  legte Alexander seinen beiden 
Freunden das Schriftstück vor, demzufolge die Grundsätze der christlichen Religion 
zur Grundlage der europäischeu Politik gemacht werden sollten. 
,,Als Vevo1lmiichtigte der Vorsehung wollten sie ihre Völker regieren; wie die Be- 
ziehungen der Staaten unter einander, sollte die innere Verwaltung der einzelnen Länder 
nur auf die Vorschriften des Chriftenthums, Liebe, Gerechtigkeit und Frieden gegründet 
werden; wie Brüder wollten die Fürsten unter sich verkehren, wie Familienväter ihren 
Völkern gegenüberstehen." 
Die Erkenntniß, daß die curopäischen Staaten,eine lebendige Gemeinschaft bilden, 
empfing hier eine eigenthümliche theokratische Umbildung: als der einzige Sonvemi11 dek 
einen christlichen Nation wurde ,,Gott, der göttliche Erlöser Jesus Christus, das Wort 
des Höchsten, das Wort des Leben-i", anerkannt.
        

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