Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von Maximilian I. bis zur neuesten Zeit
Person:
Stacke, Ludwig Christian Boehm, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-134887
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-141208
Die letzten Zeiten des alten deutschen Reichs. 
 1. Der Feld3ug des Jahres 1?92. 
Nicht Deutschland hat Frankreich zum Kriege herausgefordert, vielmehr waren 
es die in der gesetzgebenden Versammlung doiiiinirenden Girondisten, die. 
Anhänger Brissots, welche das neugeformte Staatswesen mit dem Kranze 
kkiegerischer Erfolge schmücken wollten. Sie verweigerten den Elfässcr Reichs- 
stä1iden die gebühreude Eiitschi"idignng und drängten den ungliicklichen -König 
Ludwig, das rettungslose Opfer der Bewegung, dem Kaiser, welcher die französischen 
Fkechheiten würdig ui1d niaszvoll beantwortet hatte, am 20. April 1792 den use 
Krieg zu erklären. ,,Kein Krieg der Nation gegen die Nation" hieß es 
schmeichlerisch lockend, --sondern. die gerechte Vertheidignng eines freien Volkes 
gegen die unge-rechten Angriffe eines Königs." Es war keine Frage: wenn 
die beiden Gros3iniichte. schnell ui1d eiiergisch sich mit ganzer Kraft auf das übel 
vorbereitete, von-Parteien zerrissene Frankreich geworfen hätten, so würden sie 
die großsprecherische Nation über den Haufen gerannt haben. Nur durfte man 
dann nicht mit dem anderen Auge 1iach dem Osten schielen, wo sich ein schweres 
Wetter znfammenzog. Man konnte fiir gewiß annehmen, das; sich die Kaiserin 
Katharina auf die langersehnte polnische Beute stürzen werde, sobald sie ihre 
Rivalen am Rheine beschäftigt sah. Wollte man ihr nicht Polen vollständig 
überantworten,  nnd das preußische Interesse wenigstens erheischte, daß dies 
nicht geschah,  so mußte man sich fiir"s erste am Rhein auf die Vertheidigung 
beschränken, die poliiische Frage schleunigst zum Austrag bringen und dann den 
französischen Krieg mit wiichtigen Schlägen beenden. Aber "keins von beiden 
geschah. Die beiden deutschen Großiiiächte ergriffen wohl mit Begier den Ge- 
danken, sich gegenwärtig recht a1isgiel1ige Vergrös3erinigen z1iznwenden, aber 
von wahrhaft siacitsmiiiinischen Erwägungen waren -weder die preußischen, noch 
die östreichischen Diploniateii geleitet. 
Kaiser Franz, Leopolds Nachfolger, hoffte im Verfolge des französischen Krieges den 
Austaiisch Baierns gegen Belgien durchzusehen,  ein Gedanke, dem sich Preußen aufs 
entschiedenste hätte wiedersehen müssen; Preußen verlangte ein Stück Polen und die 
pfäkzischen Lande am Niederrhein, eine allerdings vortheilhafte Beendigung des jii1ikh- 
 bergischen Ei-bfolgestreites. 
Während man noch niarktete, griff Katharina di-eist zu. Schon im April 
17g2 gab sie zwei bedeutenden Heereskörperii Mai-schbefehl: der ihr- ergebeiie 
Stute, Deutsche Geschichte- l1- 34
        

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