Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-134222
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und 
Die Häuser Luxemburg 
Baiern. 
Rolle gespielt hatte. Mit den nnzufriedeneu Böhmen verbanden sich nun die 
Kaiserin Barbara nebst ihren Berwaudten,.den ehrgeizigen Grafen von Cilly. 
Die herrschsüchtige Barbara, welche mit Sigmund eine keineswegs musterhafte 
Ehe geführt und die mannigfache Untreue ihres Gemahls reichlich vergelten 
hatte, wünschte nach Sig1uunds Tode ihre königliche Stellung zu behaupten. 
Den kaum zum Jüngling gereiften Wladislaus von Polen hatte die 
45jährige zum. Gatten ersehen; an seiner Seite wollte sie sich mit den Kronen 
von Ungarn, Polen. und Böhmen geschmückt sehen. Aber die Uneinigkeit der 
Verschwornen hinderte die Ausführung des Planes, der dem Könige kein Ge: 
heinmiß blieb. Von schwerem Siechthu1n befallen, ließ er durch seinen Kanzler 
Kaspar Schlick Tochter und Schwiegersohn zu einem Besuche in Prag ein: 
laden, was sie angesichts der böhmischen Zustände nur mit Widerstreben zusagten. 
Da er sich in Prag aber nicht sicher fühlte, verließ er den II. November die 
Stadt, von vielen Tausenden geleitet; die einen trauerten über seinen Abzug, 
die anderen riefen ihm zu, er möge nimmer wiederkehren. Am 24. November 
traf er in Znaim ein, wo Tochter und Eidam nebst einer Anzahl ungarischer 
Magnaten ihn erwarteten. Hier setzte er seine arglistige Gemahlin gefangen; 
ihr Bruder Friedrich sammt seinem Sohne Ulrich entkam. Seine letzten Lebens: 
tage verwendete er dazu, den Stauden seiner Reiche noch einmal den Herzog 
Albrecht zum Nachfolger zu empfehlen. 
Er hatte schon vor seiner Ankunft in Znaim sich einer höchst schmerzhaften 
Operation unterziehen.miissen, seine Schwäche nahm zu, er sah fein Ende 
voraus. Aber als Kaiser wollte er sterben: auf dem Throne, im kaiserlichen 
1437 Ornate erwartete er am 9.s Dezember seine Todesstunde. Seine Leiche ward 
 seiner Anordnung gemäß mehrere Tage öffentlich ausgestellt, damit jedermann 
daran gemahnt werde, daß auch der mächtigste Herrscher dem allgemeinen Lose 
irdischer Vergänglichkeit unterworfen sei.   
Es war ein reiches, vielbewegtes Leben, das mit Sigmund zuGrabe ging, und 
wenn auch die Früchte seiner Herrscherthätigkeit am wenigsten Deutschland zu gute kamen, 
verweilt das Auge gern bei diesem letzten Luxemburger, welcher seiner kaiserlichen Würde 
sich in vollem Maße bewußt war und sich seiner irdischen Majestät so gern erfreute. Der 
wil,zige, freigebige, leichtlebige und liebenswürdige, leicht versöhnliche Fürst hat vielleicht 
wenig selbstlose, beständige Freunde besessen, aber auch kaum einen persönlichen Feind gehabt. 
Von den zahlreichen Anekdoten, die über ihn umlaufen, mag nur eine besonders 
charakteristische hier ihren Platz finden. Dem Papst Eugen IV. soll er zu Rom gesagt 
 haben: ,,Jn drei Dingen bist du mir Unähnlich und in ebenso vielen ähnlich; du schlässt 
lange, ich liebe das Frühaufstehen; du trinkst Wasser, ich liebe den Wein; du meidest die 
Frauen, ich gehe ihnen nach; du verschwendest die Gnadenschät,:.e der Kirche, ich erübrige 
nichts; du leidest an den Händen, ich an den Füßen; du richtest die Kirche, ich das Reich 
zu Grunde.U
        

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