Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-133970
Sigmund, 
1410s 
sl437. 
669 
Es war ein Zeichen der Zeit, daß ernstgesinnte Kirchenfürsten, wie der Erzbischof 
von Cambray, Peter d7Ailly, gegenwärtig zu diesem Werke drängten, aber seit mehreren 
Jahrzehnten scJon stellten gelehrte Männer geistlichen Standes in lateinischen Schriften die: 
selben Forderungen und seit der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts waren in die weis 
testen Schichten der Bevölkerung hinein diese Ueberzeugungen getragen worden. Besonders 
hatten gewisse Sekten und Vereine, die äußerlich noch innerhalb des Verbandes der Kirche 
standen, aber von dieser theils offen verfolgt, theils mit mißtrauischen Blicken betrachtet 
wurden, in dieser Richtung auf den gemeinen Mann zu wirken gewußt. Da hatte der 
Straßburger Rulem an Merswin, ein ,,GottessreundU, in seinem berühmten Buch von 
,,den neun Felsens seine Stimme erhoben und gepredigt: ,,Du mußt nun selber sehen, 
wie gar sorglich es jeht steht in der Christenheit. Jch sage dir, die Päpste, die hievor 
waren, die führten ein viel ander Leben. Du sollst auch wissen, daß das Licht rechter 
Ordnung in dieser Zeit zumal in ihnen erloschen ist. Siehe, ob sie in dieser Zeit nicht 
mehr Sorge haben, denn daß sie in Ehren bleiben, und um sich selber besorgt sind, und 
daß sie viel Gutes gewinnen, daß sie ihren leiblichen Freunden zu Hilfe kommen, nnd sie 
zu Ehren, zu Gut und zu Gewalt bringen.H  In derselben Weise verurtheilt er alle 
andern Mitglieder der Geistlichkeit. 
Nicht weniger scharf züchtigt Ruhsbrock, der Patriarch der Mhstiker, die Verderbnis; 
des geistlichen Standes, namentlich seine Verweltlichung: ,,JeHt herrfchtH, sagt er, ,,überall 
Geiz, Lüge, Trug und List, falsches Gewicht, Maß und Geld; auch die Päpste, Fürsten 
u11d Prälaten beugen ihre Knie vor dem zeitlichen Gut und haben nicht die Besserung 
und Zucht der Seelen, sondern den Beutel im Auge. Auch die Kirche selbst ist dem Reichs 
thum zugänglich und bietet für Geld ihre Gaben, Ablaßbriefe für die Strafe des Feges 
feuers und für alle Sünden.H 
Ja den Gemeinden der Waldenser und der Winkler, welche sich namentlich im 
südlichen Deutschland verbreiteten, hatten die Vorstellungen von der herrschenden Verderbnis; 
nnd der Nosthwendigkeit einer Besserung einen festen Sitz gefm1deu. Obwol gerade das 
deutsOe Ge1nüth die kirchliche Frage als Herzens: nnd Getvifseussache mit besonderer Jnnig: 
keit erfaßte, so war zu dieser Zeit eine andere Nation bestiucn1t, den reformatorischen Be: 
strebnngen einen festen 1lntergrund zu gewähren; ein stavischer Mann, der Czechc Johann 
Laus, sollte den Kampf gegen die verweltlichte Kirche übernehmen und für die ewigen 
Wahrheiten der evangelischen Lehren den Märtyrertod erleiden; von seiner Nation, der 
böhmisd1en, ging das Losnngswort aus, das leider nur zu bald durch den Donner der 
rauhen Feldfchlacht, durch das wütheude Geheul n1ordlnstiger Banden und das Aechzen 
der Besiegten und Sterbendeu ül1ertöut werden sollte. Es war ein Unglück für alle Welt, 
das; durch eine Reihe von solgenschweren Ereignissen der universale Gedanke einer allges 
meinen Resormation zu einer nationalen Streitsache, zuletzt fast zu einer Partcifragc 
wurde. 
Johann Hus, der böhmische Reformator, war im Jahr l373 zu HUifk1ICCz, Ek1W1 
Flecken im siidlichen Böhs 
men, geboren. Nach ge: 
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gister an der Universität 
Prag, Prediger an der ,,Jskxqx0s1es sue Magister is: AkriocuJsss ever freien Keimes. 
V9tYJlehemskikche Und SUCH Die Unterschrift Johannes Hast, Facsi1nile des Originals in Prag. 
Beichtvater der Königin 
Sophia von Böhmen. Namentlich in seinen Predigten griff er die Uebelstände der 
Kirche an; that er es gleich mit besonderem Nachdruck, so war er darin doch nicht der 
erste; schon Konrad von Stiekna, Johann Milicz und Mathias von Janow, Karls IV.
        

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