Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-133135
Heinrich VlI. 
Luxemburg, 
VVU 
1308s 
s13l3. 
589 
und in der That war der König, unmuthig über die wiederholten Hindernisse, 
die sich feinem Römerzuge entgegeustellten, zur Gnade nicht mehr geneigt. Mit 
einem ansehnlichen Heere begann er eine förmliche Belagerung, in welcher alle 
Mittel der damaligen Kriegskunft un1sonst angewendet wurden, aber alle Greuel 
wiederauflebten, welche zur Zeit Barbarossas die Kriegführung zwischen Deutschen 
und Jtalienern geschändet hatten. Mit dem heißesten Rachednrst ward der sonst 
so hochherzige König erfüllt, als fein geliebter Bruder Walram bei einem Aus: 
fall der Belagerten ein allzufrühes Ende fand. Jndes mißlang der Sturm, 
welcher am 20. August die Entscheidung herbeiführen sollte; dagegen hielt eine 
schreckliche Seuche, wie sie so oft die deutschen Heere in Jtalien vernichtet hat, 
ihren Einzug in das Lager des Königs. Tausende und Abertausende erlagen 
dem eklen Tod, die Treuesten verließen den König, um diesem rnhmlosen Ende 
zu entfliehen; die Königin Margarethe starb an den Folgen der Krankheit wenige 
Monate darauf, ja, Heinrich selbst nahm wol schon hier den Todeskeim in sich  
auf. Sein Rachegefühl konnte der König nicht befriedigen; nicht durch Sieg, 
durch die Vermittelung der römischen Kirche gelangte er in den Besitz der Stadt, 
welche Hunger und Seuche zur 1Interwerfnng zwang; mit einer keineswegs über: 
mäßigen Strafe mußte er sieh begnügen. 
Ueber Cremona nnd Piaeenza zog der König nach Pavia, wo er eine Art 
Reichstag akhielt. Er war jetzt entschlossen, die Lombarden sich selbst zu über: 
lassen, obwolEnirgends dauerhafte Zustände geschaffen waren; den nächsten Weg 
nach Rom ssiiiber Bologna  konnte er nicht nehmen, weil er dort auf die 
Streitkriifte Toskanas stoßen mußte;  blieb ihm nichts übrig, als in Genua 
einzukehren 1Ind seine weiteren Unternehmungen auf das getreue Pisa zu stützen. 
Merkwiirdig genug: der gennefische Freistuat, der noch keinem fremden Gebieter 
sich unterworfen hatte, öffnete freiwillig dein unscheinbaren Zuge Heinrichs die 
Thore, um diesem Grafen von Luxen1burg alle Macht und Herrlichkeit zu Füßen 
zu legen. Um seinetwillen versöhnten sich die hadernden Geschlechter, die Doria 
nahmen an Stelle ihres bisherigen Wappens den kaiserlichen Adler als Sinn:. 
bild der Treue an.  
Aber ganz voll und rein sollte Heinrichs Freude nicht sein; am 13. Dezember 
1311 wurde die milde Margarethe, die treue Geuossin seiner Mühen, von seinerJ1s11 
Seite gerissen. Der Drang der Geschäfte nöthigte den König seinen Gram zu 
bemeiftcrn; von Genua ans ächtete er Florenz, hier empfing er auch die Bot: 
schaft der treuen Pisauer, die ihn zur Vollendung seines Werkes aufforderteu. 
Hier erschienen Gesandte des arglistigen Königs Robert, um eine Familien: 
Verbindung mit Heinrich, wie der Papst sie wünschte, zu verabreden; zu gleichem 
Zwecke, aber in ehrlicher Meinung, die Boten des Königs Friedrich von Sizilien. 
Auf die Dauer aber ward der Aufenthalt des Königs den Genuesern lästig: 
ihr Handel litt unter seiner Anwesenheit, sein Heer übertrug die furchtbare Seuche 
auf die Stadt, seine Söldner plagten die Bürgerschaft: ohne Schmerz sah man 
ihn scheiden, als er am 16. Februar sich nach Pisa einschiffte. Hinter seinem 
Rücken, in der Lombardei, tobte bereits wieder Aufruhr und Empörung.
        

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