Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-132660
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VII. 
Das Zeitalter 
und 
der Kre1tzzüge 
der Hohenftaufen. 
die Poesie des 10. Jahrhunderts als gelehrte Dichtung entschlunnnert war, an der Wieder: 
erwecknng der Kunst tüchtig mitgearbeitet. Jn dem ,,Rolandsliedett des Pfaffen Konrad 
Luni 1175J, in dem ,,Alexanderliedett des Pfaffen Lamprecht  beide folgen franzö: 
fischen Mustern  zeigen sich bereits die Eigcnihümlichkeiten der etwas späteren ritter: 
lichen Dichtung. Den Reigen der höfischen Dichter eröffnete  merkwiirdig genug  ein 
Niederdeutscher, Heinrich von Veldeke, mit seiner ,,Eneittt, in welcher er die antike 
Sage von Aeneas im Geschmacke seiner Zeit behandelte: natürlich ist die ,,MinneH Mittel: 
punkt des Ganzen, und seine Schilderung von diesem mittelalterlichen Herzensideal blieb 
denn auch das Vorbild der höfischen Dichter. Da er zudem Reinheit der Sprache, strengeren 
Rhythmus im Verse pflegte, verdient er in der That das Lob, ,,er impsete das erste Reis 
in unserer deutschen Zungen.H 
Der Schwabe, Hartmann von Aue Cgest. zwischen t210 und 1220J, galt durch 
feinen ,,Erektt und ,,,Jweintt, Dichtungen, in denen der Kreis der Artnsfage behandelt wird, 
seinen Zeitgenossen als der in Sprache und Stil ausgezeichnetste Vertreter der höfischen 
Epik. Aber während die Nachwelt jenen abenteuerlichen Heldenthaten weniger Jnteresse 
entgegenbringt, beugt sie sich bewundernd vor dem großen Meister Wolfram von Es eh en: 
bach Cbei AnsbachJ, welcher wol die herrlichste Zierde des sangesreichen thüringischen Hofes 
ausmachte. Ihm schwebte ein höheres Ziel vor, als die farbenreiche Aneinanderreihung 
wundersamer Abenteuer, er gedachte denTriuncph des inneren Menschen über Weltlust und 
weltliche Begier, wie ihn das Christenthu:n fordert, die Begebenheiten einer ri11genden 
Seele, die Thaten eines irrenden Geistes darzustellen. So schuf er seinen ,,Parzival.tt Die 
Artus: und die Gralsage boten ihm einen für solchen Zweck vortrefflich geeigneten Stoff, 
in den er aber deutsche tiefsinnige Spekulation, deutschen Jdealisucus hineinlegt. Drei 
Abschnitte sind im Leben des Helden zu unterscheiden: in kindlicher Einfalt und Unbesonnen: 
heit bringt der Sohn Gamurets und Herzeloidens zuerst sein Leben hin: dann erwacht in 
ihm sowol der Drang, das Geheimnis von Gott zu erfahren, als auch die Welt zu schauen: 
vergebens sucht ihn die liebe11de Mutter zurückzuhalten, vergebens, ihm die Welt von vorn: 
herein zu verleiden, indem sie ih1n Narrenkleidung anlegt. 
Zwar lächelt ihm das Glück, aber selbst der Besitz der schönen Kondtviramur, die er 
in echtem Ritterkamps erworben, läßt ihn unbefriedigt, er zieht auf weitere Thaten ans. 
Da wird ihm die Gelegenheit geboten, das höchste Heil zu erwerben: unvermerkt gelangt 
er zur Burg des heiligen Gral, aber er fragt nicht nach den Geheimnissen desselben  wer 
nach dem Himmel nicht fragt, ist nicht werth ihn zu erwerben. Wie im Traume zieht 
Parzival von dannen, nachdem er jenes Glück verfcherzt: schon soll ihn, so scheint es, weit: 
liche Ehre entschädigen,  da verhindert das Erscheinen der Gralbotin Kundrie feine.Auf: 
nahme in die Taselrunde des Königs Artus. 
Nun begibt sich der doppelt Unglückliche ans ruhelose Fahrt, an Gott und der Welt 
verzweiselnd. Der Dichter nimmt nun Gelegenheit, uns in der Person Gaweins das weit: 
liche Ritterthum von seiner glänzendsten Seite zu schildern, dann läßt er den Parzival 
nach jahrelangem Umherirren den Weg zu Gott wiederfinden. Sein Oheim, der Einsiedler 
Trevrizent, macht ihn mit den Geheimnissen des Goal, mit seiner eigenen Bestimmung 
bekannt; Parzival ist von dem Höchsten nicht verworfen und bleibt nunmehr Gott getreu. 
Neidlos und gleichgiltig verschmäht er den Ruhm des weltlichen Ritterthums, und nachdem 
er dies in der Person des thatenreichen Gawein besiegt, nimmt er, innerlich gereinigt und 
entsühnt, Besitz von dem heiligen Gralkönigreich auf Montsalvage, wo er an der Seite 
seiner wiedergefundenen Gemahlin gerecht regiert. So folgt ans Unbesonnenheit und 
Zweifel die Seligkeit. 
 Ein zweites Gedicht aus demselben Sagenkreis ,,Titureltt ließ Wolfram unvollendet; 
im Jahr 1270 nahm Albrecht von Scharfsenberg den Stoff wieder auf und spann ihn zu 
einem langen Gedichte aus, das dem ,,Parzivaltt in keiner Hinsicht ebenbiirtig ist.
        

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