Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-132581
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VII. 
Das 
Zeitalter der Kreuzziige und 
der Hohenstaufen. 
Kampf wie Gottesurtheil waren natürlich höchst ungeeignete Mittel, die Schuldfrage 
der Wahrheit gemäß zu entscheiden, und gewiß hat oft genug der Unschuldige unter dem 
Zufall oder dem Betruge gelitten. 
Was das äußere Leben der einzelnen Stände der Nation angeht, so steht das 
ritterliche Leben, über das anderweitig gehandelt ist, bei weitem im Vordergrund; schon 
um das Jahr 1200 sind die Ritter die eigentlichen Tyrannen der Landschaft. Eifersiichtig 
wachen sie darüber, das; sich in ihren Kreis kein Bauer drängt,swas in diesem Zeitraum 
jedoch noch an einzelnen Stellen geschieht. Umsonst verbot man wol in Baiern Ct244J 
und Oestreich den Bauern Waffen zu führen, immer von neuem wird geklagt, daß sie in 
Ritterkleidern prangen, Kettenpanzer tragen und mit dem Schwert klirren. 
So muß man annehmen, daß in einigen Gegenden die Lage des Bauernstandes 
eine ganz behäbige war. Auch gereichten die neuen Ansiedlungen, wie erwähnt, dem 
Vauernstande im Norden und Osten zu wesentlicher Hebung und Förderung. Die länd: 
lichen Beschäftigungen entwickelten sich auf Grund früherer Erfahrungen; grade nach dem 
Jahr 1200 begann der Bauer sein Feld sorgfältiger zu bestellen, doch war man in Acker: 
bau und Viehzucht von einem systematischen Wirthschaftsbetriebe noch weit entfernt. Ja 
der Nähe der Klöster gedieh die feinere Gartenkultur: die Weinberge wurden eifrig ge: 
pflegt; Holländer und Fla1nliinder verbreiteten die Kunst Moorgegenden in fruchtbare Ge: 
filde zu verwandeln. 
Von den größeren Städten Deutschlands bestanden die meisten schon um die Mitte 
des t3. Jahrhunderts: unter den Hohenstaufen entwickelten sie sich zusehends, ohne sic; von 
Seiten der Kaiser besonderer Fürsorge zu erfreuen. Selbst Städte, wie Basel und Stras3: 
burg, waren um das Jahr 1200 noch arm an Kirchen und großen oder festen Häufern, 
selbst diese aber hatten nur wenige und kleine Fenster. Handwerker und Kaufleute waren 
nur in geringer Zahl vorhanden. Alles dies änderte sich in den nächsten zwei Menschen: 
altem unter dem Einflusse des erstarkenden Bürgersinns und des. zunehmenden Verkehrs. 
Wie die Entstehung der Städte eine verschiedene war, entwickelte sich ihre staats: 
rechtliche Stellung verschieden, je nachdem königlicher, bisehöflicher oder fürstlicher Einfluß 
fortdauerte. Die ältesten VorgefeHten in den Städten waren nämlich Vögte, die vom Kö: 
nige, Fürsten oder Prälaten bestellt wurden. Gelang es den Städten, durch Gewalt oder 
Vertrag sich den königlichen Vögten zu entziehen, so wurden sie zu Reithsstädten: siegten 
die landesherrlichen Ansprüche, so ward die Stadt zur Landstadt. 
Weder die Zahl, noch die Amtsdauer, noch die Rechte der Bürgermeister und Raths: 
herren war überall gleich. Der älteste Geschäftskreis des Rathes umschloß die Polizei und 
die Verwaltung des Gemeindegutes, dann bildeten die StrafgeseHe den wesentlicJsten Theil 
der Stadtreehte. 
Die Einwohner zerfielen ihren Rechten nach in Hörige, Einsassen, Schuxiverwandte, 
Halbbürger, Vollbürger, Patrizier. Anfänglich standen die ersteren oft unter besonderen 
Obrigkeiten: trat eine innigere Gemeinschaft ein, so befand sich die Regierung der Stadt 
ausschließlich in den Händen der Altbürger, der patrizischen ,,Gefchlechter, d. h. der ersten 
städtischen Ansiedler. Die Spießbürger,  von ihrer Waffe so genannt,  die Pfahl: 
biirger, die außerhalb der 1lmpsählnng der Stadt selbst wohnten, mußten sich ihre politi: 
schen Rechte erst noch erkämpfen. Diese Aufgabe lösten in der Folgezeit die Zünfte, die 
siihsim Laufe des t2. Jahrhunderts als Handwerksvereine bildeten, um ihr gemeinsames 
gewerbliches Interesse zu wahren. 
Die bürgerlichen Gewerbe wie die der Bäcker, Müller, Schlächter standen unter 
strenger Aufsicht der Obrigkeit; gefeHliche Taxen fchiiHten den gemeinen Mann vor Ueber: 
theurung: and; der Lohn für Arbeiter, als Zimmerleute, Dachdecler, Maurer wurde fest: 
gestellt. Von den Erzeugnissen des deutschen Handwerkes werden namentlich gewebte Stoffe, 
Goldschmiedearbeiten, Panzer und Lederarbeiten gerühmt.
        

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