Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-132467
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VlI. 
Das 
der Kreuzzüge und 
Zeitalter 
der 
Hohenftaufen. 
Nachdem am 11. August auch die Flotte, welche namentlich die Pisaner 
gestellt, Karls Flottenführer Robert von Lavena besiegt nnd damit den Besitz 
Siziliens so gut wie gesichert hatte, brach Konradin gegen Karl selbst auf. 
Nicht auf dem gewöhnlichen Wege, den dieser besetzt hielt, versuchte Konradin in 
Apulien einzudringen und gelangte glücklich an Tagliacozzo vorbei bis in die 
Nähe von Scurcola, wo ihm das Geschick erbarmnngslos ein gebieterisches 
,,Haltttt entgegenrief.  
Am 23. August fiegten hier Schlauheit und List über Helden1nuth nnd 
Tapferkeit. Auf den Rath des erfahrenen Ritters Erard von Valerh legte Karl 
800 anserlefeue Ritter in einen Hinterhalt: er übernahm selbst den Oberbefehl 
über diese Schar 1n1d ließ, um einer Entdeckung der Kriegslist vorzubeugen, 
seinen Marschall Heinrich von Cousanee die Abzeichen der königlichen Würde 
anlegen. Dieser fand, nachdem Heinrich von Kastilien das erste Treffen Karls 
geschlagen, an der Spitze des zweiten den Tod: auch seine Leute flohen nach 
dem Tode ihres Führers. Mit Mühe hielt Valerh den König Karl zurück, der 
mit UnuIuth sein Heer zersprengt sah. Als sich aber die Sieger, froh in der 
11eberzeugung, auch Karl sei gefallen, sorglos zum Pliindern zerstreuten, brachen 
die 800 Auserlesenen hervor und bemeisterten sich in kurzer Zeit des Schlacht: 
feldes. Noch einmal stellte Heinrich von Kastilien, der von der Verfolgung 
zurückkehrte, den Kampf wieder her, dann mußte auch er entweichen.  Jn 
Moutecassino nahm ihn der Abt gefangen und lieferte ihn auf päpstlichen Befehl 
an Karl ans. 
Konradin, Friedrich von Oestreich, Graf Gerhard von Pisa, der Graf 
Lancia mit seinen Söhnen waren zuerst nach Rom gefloheu, beschlossen aber, 
da sie hier nur auf Gleichgültigkeit stießen, sich nach Pisa zu begeben. Ja 
Astura schifften sie sich ungehindert ein, dann aber schöpfte man Verdacht; Jo: 
hann Frangipani, der Herr von Astura, setzte den Flüchtigen nach, holte sie ein 
und lieferte sie an Karl aus, uneingedenk der Wohlthaten, welche sein Haus von 
den Hohenstaufcn erfahren. 
Da Karl von Anjon und seine Unterfeldherrn gegen alle, die nur in den 
entferntesten Beziehungen zu Konradin gestanden, mit ausgesuchter Grausamkeit 
verfuhren, ließ sich das Schicksal des unglücklichen Königsfohues voraussehen. 
Jedoch wollte Karl den Schein des Rechtes wahren und berief einen Ge: 
richtshos, der den befiegten Fürsten als Hochverräther zum Tode verurtheilen 
sollte; Allerdings schwiegen die meisten Richter ans Furcht vor ihrem Könige, 
als sie die ungerechte Anklage vernahmen: aber der edle Guido von Suzara 
trat energisch für Konradin ein, der im Vertrauen aus sein angestammtes Recht 
den Kampf gewagt habe.Und als Gefangener milde zu behandeln sei. Trotz 
aller Einwäude des Königs ward Konradin freigesprochen; ein einziger Richter, 
Robert von Bari, erklärte siha siir schuldig, und Karl sprach über alle Gefangenen 
rege das Todesurtheil aus. Am 29. Oktober 1268 ward es auf den Markte von 
Neapel vollzogen.
        

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