Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-132357
Friedrich 
lIi, 
1215s 
s1250. 
513 
28. zum 29. Dezember 1250 im Kloster St. E1n1neran, da brachen die 125o 
Vassallen des Bischofs, der vor den Thoren der Stadt den Ausgang besorgt 
ab1oartete, in das Schlasgeinach ein. Jn der Meinung, der König habe nur vier 
Begleiter bei sich, glaubten sie ihr Werk gethan zu haben, als sie zwei Männer 
erschlagen u11d drei gefesselt hatten. Zufällig aber war in der Nacht ein fünfter, 
 man nennt ihn Friedrirh von EVeshei1n  hinzugekommen und dieser 
empfing den Todesstreich statt des Königs, der, unter einer Bank verborgen, 
gerettet wurde. 
Aber den ,verhängnißvollsten Verlust hatte das staufische Herrschergeschlecht 
schon zwei Worhen vorher erlitten: am 13. Dezember war Kaiser Friedrich zn1250 
Fiorentino an der Ruhr gestorben.  
Er hatte in den letzten zwei Jahren männlich für sein gutes Recht gestritten, nachdem 
alle Vermittlungsversuche gescheitert waren. Sein Muth war ungebrochen, aber zwei 
Ereignisse hatten ihn noch zuletzt getroffen, die ihn mit tiefsten: Schmerze erfüllten. Als 
der Kaiser im Jahre 1249 heftig erkrankte,  zu Cremona,  wurde ihm von dem Leib: 
arzte feines vielerprobten Dieners, Peter von Vinea, statt heilsan1er Medizin der Gift: 
becher gereicht. Der Kaiser war von der Untreue des Kanzlers überzeugt: er ließ ihn 
blenden nnd l1estinnnte ihn zum Tode, den der Ilnglücklirhe im Kerker freiwillig suchte1cnd 
fand. So viel Vertheidiger sich auch nachmals für die Unschuld des Kanzlers erhoben haben, 
 unter ihnen der große Dichter Dante  ist die Grundlosigkeit der. schweren Anschuls 
dignng, die Ungerechtigkeit des kaiserlirhen Richterspruchs nie nachgewiesen worden. 
Schwerer noch verwusndete der zweite Schlag das Herz des Kaisers. König Enzio, 
sein in Jugendschönheit und Manneskraft gliinzendes Ebenbild, ward am 26. Mai 1249 
bei Fossalta von den Bolognesen überwältigt und gefangen genon11nen; im Gemeindepalast 
wurde er in goldene Ketten gelegt. Was half es, daß Ezzelin von Ro1nano mit rücksichts: 
loser Härte fortfuhr, in seinem Juteresse des Kaisers Feinde zu bekämpfen, das; andere für 
Friedrich fiegtent  den geliebten Sohn machten keine Drohungen, keine Siege frei. 
Eben holte Friedrich zu einem letzten, zerschmetternden Schlage ans, als 
seiner irdischen Laufbahn ein Ziel gesetzt wurde. Sein Leichncnn wurde, seinem 
Wunsche gemäß, in der Kathedrale zu Palermo beigesetzt: in iil1erschwä11glicher 
Weise verkündet die Grabschrift die Herrschertngenden des Kaisers. CVgl. die 
Abbildung seines Grabmals.J 
Friedrich besaß zum großen Theil Natur nnd Wesen seines Vaters. Er war, wie 
dieser, von mittlerer Statut, doch mit den Vorzügen des Körpers weit reicher ausgestattet. 
Seine Bildung war durch die Einwirkung morgenländischer Gelehrsamkeit vielseitiger; voll 
regsten Lerntriebes suchte er. in die GeheiInnisse der Astrologie einzudringen, gab er sich 
natnrtvissenschaftlichen, nmthe1natischen und medizinischen Studien hin. IN iEkMM W8kkL 
über die ,,FalkenierkunstU ldie Kunst, mit Falken zu jagec0 zeigte er sich nicht nur als 
Kenner des edlen Waidwerks, sondern auch als Naturforscher, indem et Leben Und Natur 
der Vögel schilderte. Auch der Vorgang, den Schiller in seinem ,,TaucherU behandelt, wird 
von einigen in die Zeit des forschungseifrigen Friedrich verlegt. 
Auch seine Charaltereigenschasten sind väterliches Erbtheil, sein Gerechtigkeitssinn 
nicht minder, als seine Leidenschaftlichkeit. Doch war er im Umgang heiter, hcrablassend 
und von gen1innender Herzensgüte, gern geneigt, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, wenn 
er damit nur Unterwerfnng unter seinen Willen erreichten 
Suec, Deutsche Geschichte. 33
        

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