Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-131030
erste 
Der 
Kreuzzug, 
l096s 
s1099. 
395 
Auferstehung. Des Kaisers Mutter, die heil. Helena, wallte bereits im hohen Alter nach 
dem gelobten Lande und erbaute dort Kirchen und Kapellen. Das Verlangen, in der 
Kirche des heil. Grabes zu beten, die Sehnsucht, den Boden zu betreten, wo der göttliche 
Erlöser gewandelt und gelitten, der Glaube, daß solch frommes Werk von allen Sünden 
reiuige nnd zum Himmel führe, spornte Unzählige an, das gelobte Land zu besuchen. 
Dazu kamen in der Folge auch irdische Triebfedern, Ehrgeiz und Gewinnsucht 1u1d nas 
mentlich wurden viele Reisen des Handels wegen unternommen, als die Christen die Ers 
zeugnisse des Morgenlandes kennen gelernt hatten. 
Als die Araber im siebenten Jahrhundert Paliiftiua erobert hatten, störten sie die 
Uebungen christlicher Frömmigkeit nicht, 11nd Karl der Große schloß ja sein Freundschafts: 
bündniß mit dem berühmten Har11n at Raschid, um den Pilgern dessen mächtigen Schutz 
zuzuwenden. Jui zehnten Jahrhundert bemächtigten sich jedoch die äghptischen Chalifen 
der heiligen Lande, und nun begann die Lage der Christen schon gedrückter zu werden. 
1inertriiglich aber wurde das Joch für die Christen, als Cseit t073J die Schwärme der 
rohen Seldschucken Palästina in Besitz nahmen. Da wurden die geweihten Stätten ge: 
plündert, die Christen mißhandelt und in die Sklaverei geschleppt und ihre Wallfahrtens 
unmöglich gemacht. Diese Trauerbotschaft erscholl weithin ins Abendland und erfüllte 
aller Herzen. mit Kummer, zugleich aber auch mit dem Verlangen, das gelobte Land den 
Händen der 1lugläubigen zu entreißen. In Spanien kiimpften die Christen ohnehin schon 
seit dem Beginn des achten Jahrhunderts unablässig mit den Arabern um Freiheit, 
Glauben und Wiedereroberung ihres Landes. In diesen Kämpfen war ein höherer 
ritterlicher Geist bei ihnen erwachsen, und dieses spanische Ritterthunt trug wesentlich 
einen christlich:religiösen Charakter, der jede Kraft dem heiligen Glauben weihte. Dieser 
Kampf in Spanien erinnerte die abendländische Christenheit unaufhörlich an ihre Pflicht, 
die Ungläubigeu zu bekehren oder zu vernichten. So ging denn der ritterlich:religiöse 
Geist der Spanier auch auf das Ritterthum in Frankreich und Deutschland über, weil in 
ihm allein das höchste Ziel des christlichen Ritterthums ausgesprocfen war. Eine besondere 
Begeisterung war bei den Normannen auf Sizilien und im Süden Italiens rege, wo 
ebenfalls ein heißer Kampf mit den Arabern entbrannt war, in dem sich der abenteuer: 
liche Geist der alten Germanen durch das Chriftenthum zu einem neuen Nitterthum ver: 
klärt hatte.  
In dem bevorstehenden Kampfe der abendliiudisch:christlichen Welt gegen das muha: 
ncedanische Morgenland, der auf der pyrenäifcheu Halbinsel schon frühe gleichsam vor: 
gedeutet ward, mußte der Papst das Oberhaupt werden, um durch ihn den Glaubenseifer 
und die Ergebenheit gegen die Kirche zu erhöhen nnd die weltlichen Waffen zu Gunsten 
derselben in Bewegung zu sehen. Schon Gregor Vll. hatte den Plan, einen Zug zur 
Eroberung Paläftinas zu veranstalten, aber feine Händel mit Heinrich IV. hinderten ihn 
an der Erreichung dieses Zieles. Einem schlichten Einsiedler war es vorbehalten, die 
abendländische Welt zur Eroberung des heiligen Landes unter die Waffen zu rufen. Dieser 
Mann war Peter von Amiens tin der PicardieJ. Er war in seiner Jugend Soldat 
gewesen, hatte aber den Wafsensch:nuck mit der Einsiedlerkleidung vertauscht und sich durch 
strenge Enthaltfamkeit den Ruf besonderer Heiligkeit erworben. Im Jahr i094 unter: 
nahm Peter, vom Volke spottweise Kuckuclspeter genannt, eine Wallfahrt ins gelobte Land. 
Beim Anblick der vielen Grituel, welche die heiligen Stätten entweihten, bei der Erzählung 
der Bedrängnisfe und grausamen Mißhandlungen, welche die Christen von den Türken zu 
erdulden hatten, empfand er Entsetzen und Unwillen. Der Entschluß reiste in ihm, das 
Abendland gegen die Feinde des Herrn zu bewaffnen; er hielt sich vom Himmel zur Be: 
sreiung des heil. Grabes berufen. Als er einst in der Kirche der Auferstehung nieder: 
gesunken war, um Segen und Beistand von Gott und feinen Heiligen zu erflehen, da 
vermeinte er die Stimme des Erlösers zu vernehmen: ,,Stehe auf, Peter, eile mit der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.