Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-126513
Arioviftus und 
Julius 
Cäsar. 
wie in Gallien. Von ihren 9teligionsvorstellungen hat er nur sehr obersliichliche Kunde; 
einen Sonnengott, einen Gott des Feuers und eine Mondsgöttin bezeichnet er als die ein: 
zigen Von ihnen verehrten Gottheiten. Auch ein anderes fällt ihm auf gegenüber den Zu: 
ständen in Gallien: bei den leszteren,ist neben den Priestern der Adelstand, die Ritter, all: 
mächtig, die Masse des Volkes geknechtet; bei den Germanen, welche er kennen gelernt, ist 
kein Sondereigenthum, sondern die ,,Magistrate und FiirstenU wiesen alljährlich den Ge: 
schlechtem und Familien 9lckerland an; als Grund geben sie, nach Cäsar, unter anderem 
an, daß sie nicht wollten, das; der Besitz bei wenigen sichs,hiiufe, welche sich dann über die 
anderen erheben könnten; die Leute legten Werth darauf, das; in dieser Hinsicht kein Unter: 
schied zwischen dem geringen Manne und dem Mächtigen gemacht werde: auch sonst finden 
wir bei den Germanen dieser Zeit wohl allenthalben den natürlichen Unterschied, den persön: 
lichte Vorzüge zwischen dem Bedeutende.n und Nichtbedeuteuden ziehen, nirgends aber einen 
eigentlichen Adelsstand. Ja bei den Sueben, welche Cäsar wohl vorzugsweise im Auge hat, 
1var in Friedenszeiten überhaupt keinerlei gemeinsames Volkshaupt; in den einzelnen Land: 
schaften und Dörfern sprechen die angesehensten Männer ,,die Ersten in der Landschaft oder 
im DorseU. Recht; zuweilen tritt das gesannute Volk zusammen, und hier werden dann, wenn 
ein Krieg, sei es Angrisf sei es Vertheidignng, zu führen ist, die Führer gewählt, denen man 
Gewalt über Leben und Tod überträgt. Bei Gelegenheit einer solchen allgemeinen Versanun: 
lung kann aber auch ein Häuptling, der sich Ansehen genug zutraut, erklären, daß er ans 
eigene Hand einen Kriegszng zu unternehmen gewillt sei und diejenigen die Lust zu dem 
Abenteuer tragen, ausfordern sich bei ihm zu melden: so mag es Ariovist einst gemacht 
haben, als er es übernommen hatte, den Sequanern ein Heer zu schaffen. Die Staats: 
macht war mithin noch sehr unentwickelt, der Willkür des Einzelnen nur kaum eine Schranke 
gezogen. Die Lebensweise war, der Armuth des Landes gemäß, einfach; wenn Ariovist von 
seinen Schaaren  jenen ersten 15000, welche ihm über den Rhein folgten  riihmt das; 
sie in vierzehn Jahren unter kein Dach gekommen seien, so werden die Meisten an diese Gut: 
behrnng sich leicht gewöhnt haben; wo die Sache irgend gefährlich steht, ziehen die Weiber 
und die Kinder mit in den Krieg, oder man birgt sie in der Wildniß, wo das bedeckte Haus 
von selbst wegfällt. Der Ackerbau war noch wenig entwickelt. Die Nahrung gaben die 
Heerden  und Vieh war deshalb der gesnchteste Theil der Kriegsbeute; neben der Vieh: 
zucht spielte eine Hauptrolle die Jagd, welche damals wohl mehr eine Nothwendigkeit, als 
ein rittcrliches Vergnügen gewesen sein wird. Aus der großen Mannigfaltigkeit jagdbarer 
Thiere nennt Cäsar das Rennthier, das Elen, und den Auerochsen; die Jagd auf letzteren 
brachte am meisten Ehre. Mit Stolz wies der Jäger die Hörner der von ihm erlegten Thiere 
vor, und hier setzte auch die erste Regung des Luxus an: man ließ den Rand des Horns 
mit Silber umziehen, nnd gebrauchte dasselbe bei Festgelagen als Trinkgefiiß. Wo und von 
wem dieser Industriezweig gepflegt wurde, sagt uns Cäsar nicht; doch schen wir, das; der 
Handel bereits den Weg nach den germanischen Wäldern gesunden hatte. Im Uebrigen be: 
merkt der Römer den grossen Unterschied zwischen der einfachen und dürftigen Lebensweise 
der Germanen gegenüber dem iippigeu Leben der Gallier, welche sich bereits an den Ge: 
brauch ,,iiberseeischer Handelsartikelss, gewöhnt hatten, und er leitet es von dieser Verweich: 
lichung der Sitten her, wenn die lehteren ihren Nachbarn, welche sie früher an Tapferkeit 
iibertrosfens hätten, längst nicht mehr im Kampfe gewachsen seien. Von den sittlichen An: 
schauungen der Gewinnen, mit welchen er zusammen getroffen, weis; uns der Römer wenig 
zu berichten, er hebt hervor, daß man aus keusches Leben der Jugend Werth gelegt und. 
GastfreUt1dfTh0ft heilig gehalten habe; die strengen Begriffe von Mein und Dein aber 
hörtest jenseits der Gränzc auf. Räubereien jenseits der Stannnesgränze brachten keinerlei 
Schimpf  eine naive Anschauung des Barbarenthu1ns, welche in harmloserer Form eigent: 
lich noch immer fortdauert. 
Dieses 
einfache Volksleben 
Was 
ishr 
Mk 
einem 
gkUßcn Wcndepunkt 
angelangt.
        

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