Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-130643
fränkischen 
dem 
Kaiser aus 
Hause. 
heil. Petrus in geistlichen Verkehr zu treten, hier konnte der hochbegabte Knabe die ge: 
waltigen Eindrücke in sich ausnehmen, die in der Hoheit und Herrschaft der ewigen Roma 
ihren Gipfel: und Höhepunkt finden mußten. Die Legende berichtet von ihm, daß Feuer: 
strahlen aus dem Gewande des kleinen Hildebrand hervorleuchteten, die seine künftige 
Größe andeuteten. Im Marienkloster wurde er in die Ideen von Clunh eingeweiht, hier 
erhielt er seine Vorbildung, besonders im römischen Und kanonischen.Recht durch den ge: 
lehrten Bischof Laurentius und den Priester Gratian, durch Männer, die mit Elunh in 
den genauesten Beziehungen standen. Etwa fiinfundztvanzig Jahre alt verließ Hildebrand 
das Kloster C1045J, um bald seinem Freunde Gratian, der als Papst Gregor VI. von 
Heinrich III. seiner Würde entseHt war, in die Verbannung nach Deutschland zu folgen. 
Hier besuchte er die berühmten KaisersiHe, WornIs, Speier, Köln nnd Aachen und erfreute 
sich der besonderen Güte Heinrichs III. und seiner Gemahlin. Die Jdeen des Kaiserthu1ns 
mußten hier ebenso sehr aus den jungen Hildebrand einwirken, wie die von Cluny, die, 
wie wir gesehen, damals einander begegneten und in die Hände arbeiteten. Doch mag er 
damals schon in dem ziigellosen Leben der Fürsten und in der von ihnen geübten Simonie 
die eigentliche Ursache des kirchlichen Versalls erkannt haben und bereits zu dem Grnnds 
gedanken seines späteren Lebens gelangt sein, daß die Kirche nur durch Unabhängigkeit 
von aller weltlicheu Macht ihre ursprüngliche Reinheit wiederfinden könne. 
Nach dem Tode Gregors VI. lebte Hildebrand einige Jahre im Kloster Clunh, 
zulcht als dessen Prior. Hier lernte ihn Bischof Bruno von Toul kennen und ward von 
den hohen Talenten und dem gewaltigen Geiste, der aus Hildebrand sprach, ganz für den: 
selben eingenommen. Als er unter dem Namen Leo IX. den päpstlichen Stuhl bestieg, 
nahm er ihn mit sich nach Rom, um sich seines Rathes zu bedienen. Ungern verließ er 
das Kloster, hinter dessen Mauern er in Gebet und stiller Betrachtung sein Leben zu be; 
schließen gewünscht hatte. Ju der Weltstadt fand er indessen erst die rechte Stelle zur 
weiteren Entwickelung seiner hohen Geistesgaben. Zunächst gelang es ihm, die zerriitteten 
Geldverhältnisse des apostolischen Stuhles zu verbessern, und bei diesen Geschäften vers 
scJmähte er auch den Verkehr mit Weihslern und Wucherern keineswegs. Doch ist die An: 
nahme unbegründet, daß Leo unter dem Einflnsse Hildebrands gehandelt habe. Vielmehr 
hatte gerade in diesem deutschen Papste die universelle Bedeutung der Kirche und die 
Ideen von Cluny eine solche Gestaltung gewonnen, daß Hildebrand hierin nur als sein 
Schüler gelten konnte. Doch wurde Leo von ihm aufmerksam gemacht, daß er der Kirche 
etwas vergeben habe, da er die päpstliche Würde aus den Händen der weltlichen Macht 
angenommen habe, und übte infolge dieser Mahnung seine Gewalt nicht eher aus, als bis 
er sich aufs neue der herkömmlichen Wahl durch Volk und Klerus unterworfen hatte. 
Während seines Pontificats arbeitete Lea besonders der Simonie entgegen; er hielt Kons 
zilien zu Rom, Rheims und Mainz und veranlaßte viele Bischöfe zur Niederlegung ihres 
erkanften Amtes; er reiste von Land zu Land, um für die Reinigung der Kirche per: 
sönlich zu wirken. 
Unter den folgenden Päpsten, Viktor Il. und Stephan IX. war er es, der unter 
ihren Namen in der That selbst die Regierung führte, und auch unter Nikolaus 1I. blieb 
er die Seele der römischen Kurie. Doch hätte er unter der gewaltigen Regierung Heini 
richs IlI., der niemals einen Papst ohne kaiserliche Bestätigung anerkannt hätte, wol 
in keinem Fall die weitausgehenden Pläne seines Geistes verwirklicht: erst die Minders 
jährigkeit Heinrichs IV. gab ihm hierzu die rechte Gelegenheit. 
Noch unter dem Pontificate Nikolaus II. veranlaßte er eine wichtige Entscheidung 
im Betreff der Papstwahl, die mit Recht als Vorbereitung zu seinen Kirchenresormen be: 
trachtet wird. Jm April 1059 ward zu Rom eine .Kirchenversammlung eröffnet, die von 
113 Bischöfen aus Jtalien, Burgund und Frankreich besucht und bestimmt war, den 
Triumph des Paps,tthums zu verherrlichen und durch eine neue Wahlordnung die Freiheit
        

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