Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-130538
Heinrich 
1056s 
s1106. 
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in1 Norden Deutschlands ein reicher Zündstoff aufgehäuft, aus dem bald die 
Flamme des offenen Ausrnhrs und Krieges hervorbrach. Die tiefere Ursache 
desselben lag offenbar in der Frage, die zur Entscheidung drängte, ob die Macht 
des Königs oder die der aristokratischen Gewalten in Deutschland zur Herrschaft 
gelangen, ob Einheit oder Zersplitternng den künftigen Zustand des Reiches 
bilden sollte. Dabei ist es aber bei der Parteilichkeit nnd Leidenschaftlichkeit 
der Geschichtschreiber jener Zeit eine Unmöglichkeit, Schuld 1md Unschuld auf 
jeder Seite mit gerechter Wage abzumessen.  ist daher nicht mehr zu be: 
stimmen, obsHeinrich wirklich, wie ihm nachgesagt wurde, ein Regi1nent der 
Willkür und Tyrannei geführt, ob er in der That die Herzogswürde in Sachsen 
habe aufheben nnd die Edlen ihrer Freiheit berauben wollen, n. dgl. In. So 
viel aber ist gewiß, das; die Aufregung sich über das ganze sächsische Volk er: 
streckte. Die Fürsten sahen mit Jngrimm die Burgen auf ihren Besit,3ungen, 
der Adel fürchtete, der König möchte sie als Dienstniannen behandeln. die freie 
Bauernschaft besorgte, in das Verhältnis; der Leibeigenschaft herabgedrückt zu 
werden, kurz, die Unzusriedenheit war allgemein. Diese Unzufriedenheit wurde 
noch gesteigert durch böswillige Einslüsterungen und listiges Zureden seitens der 
Häupter der Miszvergnügten, die sich in ihren Jnteressen gekränkt fühlten: man 
nannte Heinrich einen Tyrannen, aber er war ein Thrann, der für sein ererbtes 
Recht, für Deutschlands Einheit nnd Macht ans dem Kau1psplat,3 stand. 
In den umfassenden Rüstungen, welche der König um diese Zeit zu einem 
Kriege gegen den Polenherzog oeranstaltete, der das böhmische Land verheert 
hatte, erkannten die Sachsen die Vorbereitungen zu ihrer gänzlichen Unter: 
werfung. Unter dem Vorwande, dem König Heeresfolge zu leisten, beuutHten 
die geistlichen und weltlichen Fürsten die Gelegenheit, ihr Kriegsvolk um sich 
zu sammeln. Sie begaben sich nach Goslar, wohin sie der König entboten, um 
über den politischen Feldzug mit ihnen zu verhandeln. Aber gerade damals 
scheint ihm die Kunde geworden zu sein, daß die Verschwörnng der Fürsten 
zum Ausbruch reif war. Vergeblich harrten die in der Pfalz zu Goslar zahl: 
reich versammelten Fürsten seiner Ankunft: er erschien nicht in ihrer Mitte, erst 
beim Einbruch der Nacht erfuhren sie von einem Höslinge, der König habe die 
Pfulz durch eine Hinterthür verlassen nnd sei eilig nach der Harzburg geritten. 
Ohne Zweifel hatte er einer neuen ihm drohenden Demüthigung aus dem Wege 
gehen wollen. Die Fürsten geriethen in die größte Wirth, und noch in der 
Nacht hielten sie in einer Kirche zu Goslar eine geheime Versammlung, in der 
sie eine große Tagfahrt für das ganze Sachsenoolk verabredeten, Um die 
nöthigen Maßregeln zu besprechen, die sächsische Freiheit gegen den König zu 
vcrtheidigeu. An dem anberaumten Tage, wahrscheinlich zu Wornislebeu am 
süßen See bei Eisleben, erschienen die Fiirsten, und von nah und fern strön1ten 
die sächsischen Bauern zur Versammlung. Otto von Nordhein1, auch hier wieder 
der erste unter den Führern, übernahm es, den Zweck derselben darzulegen. Von 
einer Anhöhe herab redete er zu der Menge nnd erinnerte sie an das bereits 
crlittene nnd noch bevorstehende Elend. ,,Jhr habt ertragen müssen, daß euere
        

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