Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-129053
I. Heinrich l., der Gründe: des deutschen Reichs. 233 
führe, das hat kein Sachse vor mir erreicht. Gottes Gnade und eurer Liebe 
danke ich  Aber nun sei es genug. Salbung und Krönung sei einem Bessereu 
vorbehalten: ich bin so großer Ehren nicht wiirdig.H Diese Rede gefiel allem 
Volk, und alle riefen, ihm Treue gelobend, mit weithin schallender Stimme: 
,,Heil und Segen dem König HeiurichlU Nur die Geistlichkeit vermerkte es miß: 
fällig, das; Heinrich die priesterliche Weihe, die doch alle Fraukenkönige empfangen, 
verschmähe. Aber Heinrich nannte sich doch einen König von Gottes Gnaden 
und war es in den Augen seines Volkes. Der neue König mochte wol die 
Salbuug znriickgewiesen haben, um anzudeuten, daß er nicht, wie seine Vorgänger, 
sich von den Bischöfen wolle leiten lassen, daß er vielmehr andere Bahnen der 
Politik einzuschlagen gedenke. 
Heinrich staminte aus dem altsächsischen Geschlechte der Ludolfinger, dessen 
Ursprung auf Wittekinds Zeiten zuriickgesiihrt wird. Der erste sichere Stamm: 
vater des Hauses ist Ludolf, den schon Ludwig der Deutsche zum Herzog von 
Sachsen erhob. Seine Söhne waren Brun, der als Griinder von Braunschweig 
gilt und in1.Ka1npfe gegen die Normannen fiel C880J, 1md Otto, welcher die 
deutsche Krone, siir die er sieh selbst zu alt fühlte, dem friiukischen Konrad zu: 
gewandt und mit solcher Kraft 1md solchem Ruhm in Sachsen und Thüringen 
regierte, daß er mit demBeinan1e1i des Erlauchten geehrt wird. Sein würdiger 
Sohn und Erbe war Heinrich, vern1cihlt mit Mathilde, aus einem ebenfalls hoch: 
adeligen sächsischen Geschlecht, dessen Ahnen eben so wie die der Ludolfinger bis 
Wittekiud hinausreichen. Heinrich war herrlich an Leib und Seele, 1md ein 
Chronist berichtet von ihm: ,,Schon in früher Jugend schmückte er sein Leben 
mit jeglicher Tugend und nahm zu von Tag zu Tag an Weisheit nnd an Ruhm 
aller guten Werke.E Ein anderer sagt: ,,Obgleich in der ersten Jugendbliithe 
freier gestellt in den Verhältnissen des Lebens, bildete er sich dennoch weisslich in 
allem, wodurch der Geist gehoben werden kann; in Hiugebung und Liebe alle 
umfassend, mit denen er verkehrte. Niemanden: feind, über Keinen sich erhebend, 
die Betriibten tröstend und den Leidvollen helfend, erwarb er sich Lob ohne Neid 
und gewann Freunde, die sich ihm als Gleiche anschlossen. Und mochte die 
 gkzollte Achtung auch seiner Stellung gebühren, die Aumnth und Herablassnng 
seines Wesens bewirkte, das; er allen noch insbesondere theuer war und um so 
sorgsamer verehrt wardst Schon vor seiner Erhebung hatte er mit Ruhm und 
Glück gegen die Slaven gefochten. Seine ganze äus;ere Erscheinung verkündete den 
König und Herrscher. Er war ein Bild männlicher Schönheit; Muth und Eut: 
skhlosseuheit waren in ihm mit Milde der Sitten und Gros;muth gepaart. Der 
kikkh1ich fronnne Sinn seiner Zeit beseelte ihn in hohem Grade, wie er denn in 
früheren Jahren zur Viis3uug seiner Sünden eine Pilgerfahrt nach Rom unter: 
Kommen hatte, und zwar mehr zu Fuß als zu Pferde. Unermiidliche Thiitigkeit 
Und unaufhaltsame Schnelligkeit bezeichnen selbst seine kleinsten Handlungen. 
Jqgte er, so lief; er nicht eher ab, als bis er mit eigner Hand dreißig, ja vierzig 
Eber, Hirsche, Bären und anderes Wild erlegt hatte. War er in den Waffen, 
so legte er die Lanze nicht eher nieder, als bis kein Feind mehr zu besiegen war,
        

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