Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der ältesten Zeit bis zu Maximilian I.
Person:
Stacke, Ludwig Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125849
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-127181
große VölIerwanderung. 
Die 
sie im vierten Jahrhundert n. Chr. von anderen Volksstäunnen gedrängt, und durch 
neue Horden ans dem öftlichen und nördlichen Asien verstärkt, ihre Wanderzüge 
3:5 nach Westen hin wieder aufnah1nen. Im Jahre 375 brachen sie auf nnd warfen 
sich, einem Schwarm von Heuschrecken gleich, auf ihrem alles verheerenden und 
vor sich niederwerfenden Zug zunächst auf das Volk der Alanen, die zwischen 
Don 1md Wolga saßen. Die Alaneu, ein kriegerifcheiS Hirtenvolk, von edler 
Gestalt, dem medisch:persischen Stamme verwandt, das in einem entblös;ten in den 
Erdboden gesteckten Schwert den Kriegsgott verehrte und die abgezogene Haut 
erfchlagener Feinde als Waffenfch1nuck verwandte, mußten nach tapferm: Kampfe 
dem überlegenen Feinde weichen; der größte Theil schloß sieh den Siegern an und 
verstiirkte die vordringende Masse der asiatischen F;iirtenstämme. Eine Schar 
Alanen floh in die Gebirge des Kankasus3, eine andere drang bis an die Gestade 
der Ostsee vor, von wo sie in der Folge mit ger1uanifclJen Stännnen verbunden ins 
römische Reich einbrachen und in Gallien und Spanien neue Wohnsitze fanden. 
Dass Volk der Hunnen, von füchterlicher Wildheit und gräs;licheu1 Ansehen, 
erfüllte die Nachbarvölker mit Angst nnd Entsetzen. Ein gleichzeitiger Schriftsteller, 
A1nn1ignus3 MarcellinnsZ, liefert uns von ihnen folgende Beschreibung: 
Gleich nach der Geburt durchschneiden sie den KnabenKinn und Wangen, um durch die 
dichten Narben den Bartwuchs zu unterdrücken, so daß nie die männliche Anmuth der 
Jugend, nie das ehrwürdige Aussehen des Alters ihr bartlofes Angesicht ziert. Von festem 
igedrungenen Körperbau, mit dickem Kopfe und breiten Schultern, von häßlich braungelbem 
Gesicht mit kleinen, tiefliegenden, blit3enden Augen und hervorstehenden Backenknochen, gleichen 
sie mehr zweibeinigen Bestien oder grob zugehauenen Brückenpfeilern, als Menschen. Mit 
der größten Hiis;lichkeit verbinden sie eine solche Ausdauer, daß sie des Feuers nnd der 
feineren Nahrungsmittel ganz entbehren. Sie leben von wilden Wurzeln und dem halb: 
rohen Fleische aller möglichen Thiere, das sie wie einen Sattel aufs Pferd legen und durch 
einen Ritt etwas nciirbe machen. Nie kommen sie unter ein Dach, das sie wie ein Grab 
meiden; sie kennen nicht einmal Rohrhiitten. Unstet schweifen sie durch Gebirg und Wald 
und gewöhnen sich von Kindheit an, Kälte, Hunger und Durst zu ertragen. Jhre Kleider 
sind von.Leinen oder aus znsa1nmengefehten Fellen von Waldn1iiusen; dasselbe Gewand 
tragen sie im Hause und draußen und legen es nicht eher ab, als bis es ihnen in Fetzen 
vom Leibe fällt. Mit Mühen und Zottelfellen decken sie den Kopf, mit Ziegenfellen die 
rauhhaarigen Beine, die nnförn1lichen Schuhe hindern sie am freien Gang. Deshalb zum 
Fußkampse untüchtig, hängen sie wie angewachsen an ihren hiis;lichen, aber ansdauernden 
Pferden und verrichten auf ihnen ihre gewöhnlichen Geschäfte. Tag und Nacht sitzen sie zu 
Pferd, kaufen und verkaufen, essen und trinken, ja sie schlafen und träumen sogar an des 
Thieres Rücken gelehnt, nnd halten hier auch ihre Versammlungen und Verathungen. Ohne 
Königsherrschaft wählen sie in der Hast des Augenblicks ihre Führer aus der Zahl ihrer 
.L1äuptlinge, und stürzen sich in keilför1nigen Massen mit griis;lichem Kriegsgeschrei Auf DER 
Feind. Mit unglaublicher Vehendigkeit sprengen sie oft absichtlich auseinander und zerstreuen 
sich ordnungslos zum wüsten Morden, ohne einen Wall zu stürmen, oder ein feindliches 
Lager zu plündern. Aus der Ferne schleudern sie Wurfspeere und Pfeile, deren Spitzen 
künstlich aus scharfen Knochen gefertigt sind, im Handgen1enge brauchen sie das Schwert. 
Dabei fliehen sie den Feind, während er auf Hiebe achtet, plötzlich Schlingen iiberzuwerfe1I, 
um ihn zu verftricken und wehrlos zu machen. Ohne Anker und Felder, Ohne HDf UND 
Herd, ohne GeseH und Recht, schweifen sie wie Flüchtlinge mit ihren Wagen umher; Viele 
sind ihre Wohnungen, der Aufenthalt ihrer Weiber, wo sie die rohen Kleider weben, ehe:
        

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