Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-124442
und Industrie. 
Kunst 
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Kontinents auf unsere englische Jndustrie beruht, was den 
Entwurf anbelangt, sicher mit auf der Thatsache, daß nirgends 
sonst wo in Europa zwischen entwerfendem Künstler und 
ansführendem Arbeiter eine so tiefe Kluft besteht, wie gerade 
in England. Nur unser großer industrieller Rivale, die Ver: 
einigten Staaten, zeigen annähernd gleiche Verhältnisse, die: 
selbe Armut an heimischen schöpferischen Entwürfen und 
zwar mit dem gleichzeitigen, unverkennbaren Hang, sich ihre 
Muster speziell aus Paris zu verschreiben. Für uns Engländer 
kommt neben dem Franzosen auch der Jtaliener in Betracht. 
Diese beiden mögen nun noch so sehr an Geschmacksverirrung 
leiden, sie mögen noch so willenlos einer gerade herrschenden 
Strömung folgen, für die Manufaktur werden sie stets 
wertvoller sein, als die einheimischen Künstler, weil sie eben, 
dank den sozialen Verhältnissen ihres Vaterlandes, immer 
noch in einer gewissen, wenn auch geringen Fühlung mit 
dem Handwerk blieben und deshalb ein Auge dafür haben, 
mit welchen technischen Schwierigkeiten die Ausführung 
irgend eines Entwurfs zu rechnen hat, und so auch nur 
Muster liefern werden, die in den Rahmen der gegebenen 
Manufaktur:Einrichtung hineinpassen, mit einem Wort, die 
ansführbar sind. Dies ist, wie gesagt, einer der Gründe, 
weshalb unsere großen englischen Firmen so gern den Kanal 
kreuzen, um sich franzöfische Vorlagen zu verschaffen. Hier: 
bei sollte man aber gar wohl bedenken, daß heutigen Tages 
die einzelnen Nationen einander so nahe gerückt sind, daß 
ein Vorteil, den man der einen einräumt, die Benach: 
teiligung der andern in sich einschließen muß. Sind nur 
fremde Künstler begehrt, so müssen naturgemäß die 
heimischen feiern, giebt man hingegen den eigenen Landes: 
kindern den Vorzug, so haben ebenso folgerichtig unsere 
kontinentalen Kollegen das leere Nachsehen. Dagegen ist 
eben nichts zu machen. Das bringt nun einmal die Ge: 
schäftskonkurrenz so mit sich. Ja, diese Geschäftskonkurrenz 
würde selbst dann eingreifen, wenn hinsichtlich der technischen 
Vorschule sämtliche Künstler der Welt völlig ebenbürtig 
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