Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-124339
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Kunst und Jnduftrie. 
sich an Dinge halten, von denen es voraussetzt, daß sie 
Leute, die für ,,touangebendE gelten, für ,,chicE halten 
würden. Deshalb beruht aber, um einmal die Sache bei 
dem richtigen Namen zu nennen, all das, was wir heutigen 
Tages als ,,angewandte KunstH bezeichnen, auf nichts denn 
auf Vorspiegelung falscher Thatsachen und Spekulation. 
Sehen wir doch einmal ruhig nach, welche verwandte 
Beziehungen zwischen Kunst nnd Jndustrie bestehenl Streng 
genommen, und die Sache ganz unparteiisch betrachtet, 
müßten die beiden eigentlich Hand in Hand gehen; leider 
Gottes kennt nun aber einmal unser heutiger Industriebetrieb 
kein anderes Jdeal als jenes, vielfach recht bös angekränkelte, 
welches sich rascher Absatz nennt. 
Das Fundamentalgesetz, aller Industrie beruht darauf, 
irgend etwas Cdas  wies ss,vorläufig ganz außer Acht 
gelassen; zunächst überhaupt einmal fertig zu stellen. Die 
Kunst will aber nicht nur mechanisch, sondern gleichzeitig 
auch geistig produzieren; das reale Schaffen eines Gegen: 
standes will sie mit dem idealen Ausdruck eines Gedankens 
verschmelzen, kurz, sie will jenes holde Kind aus der Taufe 
heben, welches Freude des Schöpfers und gleichzeitig auch 
sympathische Aufnahme und bleibenden Genuß von Seiten 
des Erstehers und Eigners in einer Person vereinigt. Jm 
Bestreben, seine Schöpfung  bestehe diese nun in einer 
mit wenigen, kräftigen Strichen flüchtig hingeworfenen Skizze, 
oder in einem für den Alltagsbedarf berechneten Muster, in 
einer Schnitzerei, einem Ornament, Gemälde,Statuengruppe, 
ja selbst in einem ganzen Gebäude, kurz, worin sie wolle  
im Bestreben, sage ich, diese seine Schöpfung nach jeder 
Richtung hin wirkungsvoll zu gestalten, seine Gedanken 
möglichst scharf erschöpfend, anderen leicht verständlich wieder: 
zugeben, in diesem Bestreben wird ein wahrer Künstler 
vielleicht seine eigene Arbeit, die ihm doch soviel Schweiß, 
so viele Stunden des Wägens und Ueberlegens gekostet hat, 
mit kalter Hand zertrümmern und vernichten, um dann ge: 
duldig von neuem zu grübeln, zu entwerfen, zu gestalten,
        

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