Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125571
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Die 
Bedeutung 
der 
Künste 
angewandten 
Kraft, was Entwurf und Durchführung anbelangt, wird ver: 
wendet auf Becher und Trinkgeschirre, Leuchter und Krüge, 
Kleider und Schmuck, Waffen und Rüstungen. Die er: 
habensten Gedanken der Baukunst, das freieste Spiel ihrer 
Phantasie, selbst Witz, Humor, Satyre, kurz alles das, was 
die Denkungsweise und Anschauungen eines Volkes so klar 
wiedergiebt und erläutert, wo ist dieses zu findenZ  im 
Dienste der Religion. Dort predigt es in den gewaltigen 
Bogengängen und Kuppeln der Dome, dort glüht es hervor 
in tausend Farben aus den glasgemalten Fenstern, dort 
prangt es als Mosaik und Freske und vor allem dort in 
den heiligen Krippen und den mannigfaltigen Darstellungen 
des Kreuzweges, welche 1Inmasse von Hilfsmitteln hat es 
sich da nicht dienstbar gemachtl 
Als wir noch wirtschaftliche Verhältnisse besassen, dank 
denen hinßchtlich der Produktion von Gebrauchs: und Kom: 
fort:Gegenständen lediglich die Frage der Nützlichkeit und 
nicht die des zu erhofsenden Profites ausschlaggebend war, 
da konnte auch noch jeder Handwerker auf den Titel Künstler 
einen Anspruch erheben, denn ganz von selber nahm jegliches 
Ding in seiner Hand eine liebevolle, kunstsinnige, also auch 
schöne Gestaltung an. Schon bei der Auswahl des Materials 
ward der Ornamentik Rechnung getragen, die dann das 
vollendete Werk zu einem Schmuckgegenstand stempelte, und 
diese Kunst des Volkes, diese Kunst in den alltäglichsten 
Dingen, im alltäglichsten Leben, wir selbst haben sie ver: 
nichtet durch unseren Jndustriebetrieb mit seiner Arbeits: 
teilung und Massenfabrikation, und erst in unsern Tagen 
scheinen wir allmählich wieder zum Bewußtsein und zur Er: 
kenntnis dessen gelangen zu wollen, was wir eigentlich an: 
gerichtet haben. 
Ein gewerbliches System, welches bei seiner Produktion 
sich lediglich um leichten Absatz bekümmert, mußte dahin 
gelangen, die Kunst den Wünschen des tausenden Publikums 
entsprechend zu klassifizieren. Für eine Sache aber, die in 
einem Kramladen feilgeboten werden soll, braucht man
        

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