Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125558
194 
Bedeutung 
Die 
angewandten 
der 
Künste 
Abschlachten aller Schönheitsregeln, das in unseren Aus: 
stellungen für ,,schöneU Künste den Nahm abschöpft. 
Sobald der jagende Höhlenbewohner der Urperiode seine 
ersten Erfolge in angewandten Künsten zu verzeichnen hatte 
und ihm die so gewonnenen Steinwaffen einen genügenden 
Vorrat an Wildpret, Fischen und Fellen zur Bekleidnng 
sicherten, gleich begann er auch über die Eindrücke, welche 
er auf der Jagd empfangen, nachzudenken und die Gestalten 
seines Lieblingswildes auf dessen Knochen einzugravieren. 
Sind diese Abbildungen von Renntieren, Mammuths und 
Auerochsen wirklich die frühsten Spuren einer schönen Kunst, 
so möchte es wohl scheinen, daß uns der Nachahmungstrieb 
den ersten Jmpuls zu dieser gegeben hat, erst später kam 
der Wunsch, durch sie eigene Gedanken auszudrücken, um 
dergestalt etwas zweckbewußt zu schmücken, erst war der 
Hang da, möglichst getreu das nachzubilden, was das Auge 
sah, dann erst folgte die wohlüberlegte gereiftere Kunst des 
selbständigen Entwurfes, welche sich aus der Unmenge der 
Naturfarben und Formen immer nur das für ihre Sonder: 
zwecke gerade Tangliche ganz nach eigenem Gutdünken heraus: 
greift, gleich dem Tondichter, der auch beim Komponieren 
eines Werkes völlig nach Belieben über die Noten schaltet. 
Trisft.diese Annahme wirklich zu, so könnten wir uns wohl 
mit dem Gedanken sch1neicheln, daß wir, ganz abgesehen 
davon, was wir in unsern Tagen in treuer Nachbildung der 
Natur leisten und wie weit wir es diesbezüglich gebracht 
haben, heute auch noch eine weit idealere, geistigere Auf: 
fassung von Kunstschöpfungen besitzen, weil uns eben der 
Entwurf das Höchste ist oder wenigstens sein sollte. 
Die bewußte Führung der Linie und ihre Verwendung 
zu verschiedenen Mustern verdanken wir aber nicht, wie uns 
Mr. Whistler gern glauben machen möchte, dem blinden Zufall, 
wie zum Beispiel dem verkohlten Spazierstocksende irgend 
eines vorsintflutlichen Stutzers oder der Spielerei mit leicht 
knetbarem Thone, sondern vielmehr z. T. gleichfalls der Nach: 
ahmung der im großen Musterbuche der Natur gegebenen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.