Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123720
Kunst und Volkstum. 
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tüchtigen Schinken. Wenn auf der Tischplatte nichts zum 
Beißen liegt, kann man von ihrem Besitzer wirklich nicht 
verlangen, daß er sich über ihre saubere Politur freut. 
Eine recht gediegene Grundlage ist überall die Haupt:  
sache. Macht den Leib satt, und ihr werdet auch dem Geiste 
Nahrung zuführen. Das scheint gewiß etwas recht Selbst: 
verständliches, Einfaches zu sein, so eine Art von Funda: 
mental:Grnndsat3 und doch  wieviel sozialreformatorischer 
Agitation hat es nicht bedurft, ehe diese ganz natürliche Auf: 
fassung auch nur in dem geringen Grade zum Durchbruch 
gelangte, den wir heute hinsichtlich der Behandlung unserer 
Schulkinder konstatieren können. 
Die besten Vorbedingungen für Kunstempfänglichkeit  
hier ist selbstverständlich von einer noch ganz unbeeinflußten 
die Rede  bietet eine einfache, natürliche und gesunde 
Lebensführung, die nicht abgestumpft ist durch überange: 
strengtes Arbeiten und nicht degeneriert durch dies ewige 
Hasten nach Geldgewinn.  Wo ein anständiger Erwerb 
die Möglichkeit gewährt zu einem menschenwürdigeniDasein, 
gepaart mit Muße und Freiheit, da ist auch ein offenes 
Herz für Kunstschöne und Natur. Die Existenzbedingungen 
der Kunst sind die Existenzbedingungen des menschlichenj 
Lebens, sie sind sozusagen ihr erhabenster Ausdruck.  
Die Herrlichkeit der antiken Kunst Cselbst die des asiatisch 
angehauchten Despotismus von Griechenland und RomJ strahlte 
in verschwenderischer Pracht von den Staatsgebäuden und 
öffentlichen Denkmalen. Dort konnte sie jedermann sehen, 
jeder Bürger konnte sie in Muße bewundern, selbst dem 
sonst so rechtlosen Sklaven war dies gestattet. Die Dame 
des Mittelalters, diese großen Sammelstätten aller Kunst: 
zweige, standen jeder Zeit zum Besuch und zur Erbauung 
der Bevölkerung offen. In jenen glücklichen Tagen prunkten 
noch die Straßen in Zierraten nnd Farben und trotz des 
finsteren Despotismus, der in vieler Hinsicht auf den breiten 
Volksschichten lastete, war das Leben selbst doch voll Sonnen: 
glanz und Ron1antik, kannte es and; noch keine Kunstaus:
        

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