Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125330
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Figürliche Kunst. 
bar fest, daß die Kunst eine Sprache ist und zwar nicht nur 
eine Sprache, in der sich die Formen und Wandlungen der 
Natur gar trefflich beschreiben, die Charaktere meisterlich 
schildern lassen, sondern die uns gleichzeitig auch die Mög: 
lichkeit gewährt dasjenige, was unser Herz bewegt, was 
unsern Geist erhebt, in allgemein verständliihe Worte zu 
kleiden  so können wir uns meiner Ansicht nach auch nicht 
mehr mit einer durch eisernen Fleiß erworbenen bloßen 
Fingersertigkeit begnügen und zwar vor allem dann nicht, 
wenn diese Technik zu weiter nichts da ist als um Gemein: 
pläHe noch mehr breit zu treten, an und für sich schon 
schlüpsrige Szenen möglichst pikant zu schildern oder endlich, 
um mit einem wirklich einer besseren Sache werten Fleiße 
und Eifer, nach unzähligen mühevollen Vorstudien, uns eine 
in ein antikes Gewand gehüllte große Nichtigkeit zu bieten. 
Eine Kunst, welche keine wahre Befriedigung gewährt, 
sinkt sofort zur bloßen Tändelei herab und wenn die Kunst 
dazu berufen ist, Menschenherzen zu erfreuen, dann muß 
sie es eben auch, um daseinsberechtigt zu sein, verstehen, 
Freude zu erwecken. Die Offentlichkeit gleicht ganz einem 
großen Kinde, nur fehlt ihr das einfache, leicht zu befrie: 
digende Kindergemüt und deshalb schreit sie denn auch un: 
aufhörlich nicht nach Zeichen, nein, gleich nach Wundern, 
nun ,,junges Blut will austobentt  sagt ja schon Falstaff. 
Wahrlich schade wäre es, wenn wir Künstler diesem 
Verlangen nach immer etwas Neuem, unbedingt Fesselnden, 
sich über das Durdhschnittsniveau Erhebenden nicht nach: 
kommen könnten, wenn uns also der ewig junge Geist des 
Entwurfes, der Ariadnesaden in das Zauberreich der Alles 
gorik verloren gegangen wäre. Nun Gottlob, vor der Hand 
wenigstens ist es noch nicht so weit. 
Den Beweis hierfür bieten komischer Weise gerade die 
beiden größten Extreme in der Kunst. Wir finden dieses 
nämlich belegt, sowohl in den erhabensten Aufgaben, die 
einem Maler überhaupt gestellt werden können, in jener 
gewaltigen Dekorative der öffentlichen Gebäude, gleichzeitig
        

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