Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123711
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Kunst und Volkstum. 
unserer Umgebung glücklich fühlen sollen, Gemüt und der 
Begriff Heim, mit all ihren zarten, echt menschlichen Be: 
dürsnissen sind ja mehr oder weniger von ihnen abhängig. 
Dies gilt vielleicht selbst von unseren Tagen mit ihren rie: 
sigen Massenquartieren und deren heute kommenden und 
morgen wieder gehenden Einquartierung auf der einen Seite 
und aus der andern das noch bescheidenere Nachtlager, welches 
der Enterbte auffchlägt unter dem Bogen einer Eisenbahn: 
briicke oder auch gleich dort auf dem harten ,,mit Gold be: 
legtenU Pflafter der reichsten Stadt der Welt. Zum Kopf: 
kiffen nimmt er sich da wohl ein Zeitungsblatt  ein 
Zeitungsblattl  vielleicht ist es sogar ein illuftriertesI 
Wohlseile Kunst, wohlfeil in der That  fast so wohlfeil 
wie das Leben selbstl 
Nicht doch, jede Kunftbestrebnng, welche es sich zur Auf: 
gabe gestellt hat, die Lebensbedingungen eines solch erbärm: 
lichen Daseins, wie wir es eben in seinem krasseften Extrem 
schilderten, auch nur etwas erträglicher zu gestalten, verdient 
gewiß sicher als wertvoll bezeichnet zu werden. Die Ver: 
fechter dieser wohlfeilen Kunstproduktion finden volle Ent: 
fchädigung für ihr weniger glänzend dotiertes Schaffen  
und das Nämlikhe gilt für jede minder lohnende Arbeit  
in dem erhebenden Bewußtsein, zur Allgemeinverbilligung 
des menschlichen Daseins das Jhre mit beigestiftet zu haben. 
Wenn wir aber unsere Kunst hineintragen wollen in die 
Hütten des Volkes, so müssen wir zunächst darauf sehen, daß 
dieses Volk überhaupt ein Heim besitzt, ein Heim nämlich, 
das ihm gesicherter ist als durch die Garantie einer auf acht 
Tage im voraus bezahlten Miete, ein Heim, in das es sich 
nicht nur flüchtet, um. nach einer zehn:, zwölf:, sechzehn:, ja 
wohl gar achtzehnstündigen harten Arbeit rasch einmal für 
ein paar Augenblicke die milden Augen zu schließen. 
Jch bin ganz der Ansicht eines meiner Freunde, der 
gelegentlich eines Kongresses zur Förderung des Kunftverständ: 
nisses einmal erklärte: er kenne für ein Heim, in dem Meister 
Skhmalhans Küchenmeister, keine bessere Dekoration als einen
        

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