Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123705
Kunst und Volkstum. 
muß2 Oder verstehen wir endlich darunter die Notierungen 
des Weltmarktes  gilt uns ein fabelhafter Preis als Maß: 
ftab, beurteilen wir den Wert eines Kunstwerkes darnach, 
ob man es auch mit Gold aufwiegt, während es vielleicht 
der eigene Schöpfer für jedes Schmachangebot verschleudern 
mußteZ  Verstehen wir das unter KunstZ  Oder ver: 
stehen wir nicht vielmehr darunter jenen süßen, rührenden 
Zauber, der uns gleichsam aus uns selbst herauslöst, jenen 
Genius der Schönheit und Harmonie, welkher jedwedes Ding 
weiht, das sein Hauch streifet, welcher weder Klassen noch 
Kasten kennt, welcher eine die Allmenschheit umskhlingende 
Sprache predigt, welcher da ein Freund der Freiheit und 
Brüderlichkeit, welcher Ordnung stellt an Stelle der Zer: 
rissenheit, Milde an Stelle der Gewalt; der kein Gegenstand 
des Privatbesitzes ist, nein der uns allen gehört, dessen Wert 
und Wichtigkeit sich weder in Goldeswert ausdrücken, noch 
durch Goldesmacht beeinflussen läßt, sondern der lediglich be: 
gründet ist auf menschenwürdigen und also auch noch zu 
Hoffnungen berechtigenden Daseinsbedingungen eines VolkesZ 
 Verstehen wir nicht das unter Kunst2  Jene Er: 
scheinung nämlich, die sich uns auf Schritt und Tritt auf: 
drängt, die uns entgegentritt in Gestalt unserer Schaufel, 
unserer Pflugschar mit ihren der Zweckmäßigkeit mit liebe: 
voller Sorgfalt angepaßten Kurven und Konstruktionslinien; 
jenes Prinzip, von dem ein jeder, sei es auch der einfachste, 
selbstverständlichste nnd alltäglichste Gebrauchsartikel unseres 
Lebens und Wirkens durchdrungen ist, durchdrungen, bald 
mit der Abßchtlichkeit einer zweckbewußten und wohlberech: 
neten Ausschmückung unserer Wohnungen, bald in der mehr 
zufälligen Anordnung des Gusses, des Schnitzwerks, des 
Musters unserer Möbel, vom Präsentierbrett mit der Wasser: 
karaffe dort auf dem Tisch bis hin zu jener Tapete an der 
Wand. 
Solche einfachen, schlichten, oftmals ganz übersehenen 
Dinge haben, ohne daß wir es eigentlich recht ahnen, einen 
gar gewaltigen Einfluß auf uns, wenn wir uns nämlich in
        

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