Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-125059
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der Kunst. 
Ausdruck in 
und 
Nachahmung 
sie endlich den Wandel, der sich in der Flucht der Zeiten, 
im Temperament der Völker und in ihren sozialen Zustän: 
den vollzogen hat, und indem dies die Architektur thut, führt 
sie gleichzeitig unter ihren starken Fittigen die ganze muntere 
Schar der Künste sicher und wohlbehalten mit hinüber von 
einem Menschenalter in das andere. 
Auch die Skulptur, ausdrucksvoll in und gerade durch 
ihre enge Beschränkung, spricht zu uns lediglich in der 
Sprache der Form. Nun besitzt zwar die Skulptur in der 
Einzelbehandlung der verschiedenen Flächen und Details ein 
gewisses Äquivalent für die Farben, nie aber hätte sie sich 
soweit hinreißen lassen dürfen, um in der Sucht nach rein 
malerischen Effekten selbst auf die Struktur des Materials 
zurück zu greifen, wie solches bei der Mailänder Schule des 
modernen Jtaliens der Fall ist, deren diesbezügliche Be: 
strebungen die Kunst sicher nicht gehoben haben; denn jeder 
Teilerfolg, der bei dieser Nachahmungssüchtelei gezeitigt wurde, 
ward erkauft, um die Preisgabe edlerer Schönheit und vor: 
nehmeren Ausdrucks; und die in einem derartigen Verfahren 
liegende Vernachlässigung der reinen Form brachte einen 
Verlust an ruhiger Würde notgedrungener Weise mit sich. 
Ja, dieses Haschen nach malerischer Wirkung macht mitunter 
sogar geradezu einen lächerlichen Eindruck. So sieht z. B. 
eine Porträtbüste, deren abgreuzendem Saum resp. Gewan: 
dung man ein der wirklichen Kleidung möglichst nahe 
kommendes Gepräge verleihen wollte, fast immer nur wie 
ein Gipsmodell aus, dem man ein Kleidungsstück über: 
geworfen hat, nie aber wird sie den Eindruck machen, als 
habe man da wirklich die Darstellung eines leibhaftigen 
Menschen vor sich. 
So originell kolorierte Statuen an und für sich auch 
sein mögen und so unzweifelhaft auch das Faktum gleich 
feststeht, daß die Alten thatsächlich ihre Skulpturen bemalten, 
so kann uns diese Erwägung allein doch noch lange nicht 
blenden und nie werden wir um ihretwillen jene edlere und 
delikatere Ausdrucksweife aufgeben, die in der reinen Form
        

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