Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123686
Die Forderungen der dekorativen Kunst. 
fürwahr kein Mangel. Für den schaffenden Künstler er: 
öffnet sich in dieser Beziehung geradezu ein erschreckender 
Prospekt, und sattelfest und wohlgerüstet muß der Streiter 
sein, der es unternimmt, gegen die ihm eutgegendrohenden 
Massen in die Schranken zu reiten. Da liegt es, das 
moderne Leben mit all seinem Luxus und rastlosen Drängen, 
mit seinen immer weiter um sich greifenden, sähen jetzt in 
ihrer Riesengröße öden und trostlosen Städten, und dort 
lugen auch bereits unter der vermoderten, wurmzerfressenen 
Hülle einer scheidendeu Kulturepoche hie und da die Umrisse 
hervor des Gerippes und Gerüftes einer neuen Weltansrhau: 
ung, einer neuen Wirtschaftsordnung. Wie sind diese Gegen: 
sähe auszusöhnen, wie hier die Herrschaft der Schönheit zu 
bewahren, wie ihr Panier unentwegt hoch zu halten, wie 
all diese Härten zu mildernZ Fürwahr, um das alles durch: 
zuführen, dazu bedarf es der Kraft eines SimsonI Gleich: 
zeitig heißt es aber auch bedenken, daß bei allzu vielem 
Wägen und Ueberlegen leicht ans einer Rüstung eine Last 
werden kann, nnd ferner muß man sich sagen, daß oft schon 
die größten Wirkungen durch die kleinsten Ursachen hervor: 
gebracht wurden und daß schon einmal geharnischte Riesen 
und das ganze schladhtgerüstete Heer, der Philister dahin 
sank vor einem erbärmlichen Schlenderftein. Letzteren Ge: 
danken gilt es festzuhalten, wenn wir Künstler mit unserer 
Kunst uns aufraffen, um hinauszuziehen in den Strauß mit 
den Unholden dieser Zeit, die sich da verschanzen hinter 
iippige Paläste und die daher kommen prunkend in Rüst: 
ungeu aus Gußstahl und Spiegelglas.
        

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