Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123675
der dekorativen Kunst. 
Forderungen 
Die 
dienstbar machen könnte, ihr Wesen besteht ebenso recht 
eigentlich darin, mehr aus sich selbst heraus etwas zu bieten, 
als blos nachzubilden, und auf diese Weise ward sie zu 
einer Art Sprache, zu einer gemalten Schrift. 
Und mögen wir diese nun mit den Augen eines Künst: 
lers, eines Historikers, eines Antiquitätensammlers oder auch 
eines Gelehrten lesen, schwerlich dürften wir wohl sonstwo 
eine unvergänglichere, beredtere Sprache finden. 
Welch verblaßte Vorstellung von den Völkern des 
Altertums müßten wir haben, wenn uns all deren hinter: 
lassene Kunstdenkmäler verloren gegangen wären2 Und diese 
Kunstdenkmäler, auf welche wir unsre Erkenntnis stützen, 
was End sie2 Dekoratioe Kunst, nichts als dekorative 
Kunst, vom primitiven Knochenschmuck des Höhlenbewohners 
an, bis hin zu dem. gewaltigen Friese des Parthenonl Und 
deshalb, befiehl jemand, seine Zeit zu malen,.ihre Sitten, 
Gebräuche, Kostüme, meinetwegen getreu bis zum letzten 
Schuhabsatz, in die kleinlichsten Details soll er eindringen  
wenn du aber damit glaubst, eine lebenswahre, den Zeit: 
geist erschöpfend wiederspiegelnde Schilderung erhalten zu 
können, so dürftest du dich gewaltig irren. Der Geist hat 
seine Kaprizen und Moden genau ebenso gut wie der Körper, 
im Gegenteil, ihm steht vielmehr eine noch weit reichhaltigere 
Garderobe zur Verfügung, deren Reichhaltigkeit sich allem 
Anschein nach von Jahr zu Jahr noch steigern wird. Um 
alles das zu erschöpfen, reicht die Staffelei:Malerei  
Kunst ist übrigens doch nicht lediglich für Maskengeschäfte 
da  bei weitem nicht aus, hier muß die Dekorative ein: 
greifen, und diese wird niemals um ihre Mittel verlegen 
sein, selbst wenn Pferderennen und Eisenbahnstationen nicht 
mehr existieren sollten. 
Für Schönheit kenne ich keine bessere Umschreibung als: 
,,bei aller Vielseitigkeit möglichste Schlichtheit, bei aller Schlidht: 
heit möglichste Vielseitigkeitlt. 
Und, was die Vielseitigkeit anbelangt, so ist daran in 
unsern Tagen, ich meine hinsichlich des Materials und Stils,
        

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