Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-124697
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Kunst und Handel. 
diesem fast zu viel an Geschmack im Innern unserer Villen, 
derartige, unglaubliche Geschmacksverirrungen draußen2 Wie 
ist etwas derartiges nur möglich2 
Und dabei sind wir all dem gegenüber so verstockt und 
abgehärtet, daß wir diese Ungeheuerlichkeiten nicht einmal 
fühlen. Jm Gegenteil, wir sind wohl oder übel dazu ge: 
zwungen sie noch obendrein lieb zu gewinnen, denn diese 
Annoncen und Reklamen gehören nun einmal untrennbar 
zu unserem wirtschaftlichen System. Da giebt7s keinen 
Ausweg. So ist es und so wird es auch bleiben, so lange 
nämlich als wir diesem selbstsüchtigen, entsittlichenden, ge: 
wissenlosen Dämon des Kommerzialismus uns zu tyrannisieren 
und schamlos auszudeuten gestatten, unter seinem ewigen 
Gekrächze: ,,Profit, Profit, ProfitIU Solange muß auch 
jedes höhere Streben als Hirngespinst und nutzlose Träu: 
merei gelten, so lange muß jeder Versuch, unsere zerrütteten 
sozialen Verhältnisse zu bessern, an jenem starren Riffe, 
priveligierte Jnteressen, scheitern. 
Folgende Episode verdient als charakteristisch für die 
Auffassung unserer Zeit festgenagelt zu werden. George 
Frederick Watts, einer jener wenigen Künstler, die es selbst 
in unseren Tagen verstanden, sich den Jdealismus ihres 
Herzens zu wahren, erbot sich die EmpfangshalIe der Euston: 
Station mit Fresken zu schmücken, ohne hierfür die gering: 
fügigste Remuneration zu beanspruchen, die betreffende Eisen: 
bahn:Kompagnie sollte nur die Anschaffungskosten der be: 
nötigten Materialien tragen.  Dieses mehr denn hoch: 
smnige Angebot ward  abgelehnt. Wie kann aber in 
aller Welt monumentale Kunst, welche schließlich doch nichts 
ist als Dekorative in ihrer erhabensten Form, bei einer der: 
artigen stumpfen Apathie der Mitwelt existieren2 Will 
man eine schöne Blume züchten, so gehört dazu nidht nur 
Samen, sondern auch der ihr zusagende Boden, das gewohnte 
Klima. Das fehlt aber in unserer Zeit und deshalb wird 
man dereinst von ihr sagen, daß ihre berufensten Federn, 
ihre tüchtigsten Maler den höchsten Ehrgeiz darin gesetzt
        

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