Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forderungen der decorativen Kunst
Person:
Crane, Walter Wittich, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-123317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-124634
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Kunst und Handel. 
künstliches Scheindasein, sie welken traurig dahin, leere 
Schemen und Schatten, klägliche Trümmer einer einstmaligen 
Schönheit. 
Da hat man uns kürzlich zwar ganz kaltblütig erklärt: 
Man müsse doch zugeben, das; sich die Tendenz unserer 
modernen Kunst nun schlechterdings einmal nicht in letzterer 
Richtung cjener der Schönheit; bewege, daß Schönheit allein 
uns längst nicht mehr befriedige7t.  Nun, das ist wenigstens 
deutlich. Der kühne Satz, stammt aus dem Munde der 
Franzosen, die sich ja in Sachen des Geschmacks als Dikta: 
toten der ganzen Welt zu gerieren lieben. Man findet diese 
neuste Weisheit in einem Buche über die Asthetik, das 
Eugene Verm zum Verfasser hat. Jn diesem Werke sucht 
der bekannte Schriftsteller der Kunst eine berechtigte natur: 
gemäße Position im Rahmen unserer modernen Wirtschafts: 
Verhältnisse einzuräumen. Der Autor bricht eine Lanze für 
Freiheit der Entwickelung, erkennt wohl den großen Abstand 
zwischen moderner Kunst und der früherer Zeiten, sucht aber 
die Gründe des unleugbaren Rückschritts anderswo alsian 
der einzig richtigen Stelle, auf dem Gebiete der Schönheit 
nämlich. Und zwar hat er sich zu diesem Behufe eine eigene 
Scheidewand zwischen dekorativer und  wie er es nennt 
 ,,ausdrückenderU Kunst, worunter er die moderne Staffelei: 
malerei versteht, geschaffen, ganz als ob nicht jede Kunstsorm 
zum Ausdruck irgend eines Gedankens da wäre. 
Jn meinen Augen aber müssen alle Formen der 
graphischen und plastischen Kunst unter der Herrschaft des 
Schönheitssinnes stehen, welchem sie ja einzig und allein 
Daseinsberechtigung und die Möglichkeit Menschenherzen zu 
erfreuen, verdanken. Vor der Rücksicht auf Schönheit haben 
alle sonstigen Erwägungen znrückzutreten oder die Kunst 
wird jene Grenzschwelle überschreiten, die sie von den übrigen 
Verstandesarbeiten trennt, so zum Beispiel von der wissen: 
schaftlichen Analyse und der Photographie, deren Aufgaben 
von der künstlerischen grundverschieden sind, und bei denen es 
einzig auf absolute Klarlegung der nackten Thatsache ankommt.
        

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