Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lessing, Julius Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-121327
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Die deutsche Ausstellung leidet in ihrer äußeren Erscheinung 
durch das Fehlen dieser vermittelnden und vereinigenden Kräfte. 
Während bei den Franzosennnd bei den Oesterreiehern fast jede 
für die Möbelansstellnng bestimmte Nische einheitlich von dem: 
selben Unternehmer mit Tapeten, Teppichen und allen kleinen, 
schmückenden Zuthaten ausgestattet ist, sind die deutschen Möbel 
fast sämmtlich ungeschickt worden, ohne daß der Einsender Be: 
dacht genommen hätte auf den Hintergrund und den Zusammen: 
hang, in welchem sie sich darzustellen haben. Die Baumeister 
der Ausstellung haben hier zu helfen gesucht. In der einen 
Galerie sind gleichfalls für die Möbel Niscben gebildet worden, 
deren Wände mit Tapeten 1md Spiegeln ausgestattet sind. Hier: 
bei aber hat man mit dem zufällig vorhandenen Material wirth: 
sChaften müssen. Die Wände sind nicht mit einer bestimmten 
Farbe versehen, auf der allein gewisse Möbel völlig zur Geltung 
kommen könnten, sondern sind vielmehr als Ansstellnngsraum 
mit einer Musterkarte von Tapeten bedeckt, so daß der gute 
Wille, etwas Zinnnerähnliehes für die Möbel herstellen zu wollen, 
fast noch schlechter gewirkt hat, als wenn man dieselben in Reih 
und Glied aufgebaut hätte. Es ist daher überaus schwer, Reh 
von der wirklichen Güte der deutschensMöbel eine richtige Vor: 
stellnng zu machen. Das 11nbedeutendste Meublement, welches 
in richtiger Aussstattung mit Teppichen, Lnstern, .Vlumeuvasen 
aufgestellt ist, muß nothwendigerweise mehr zur Geltung kommen, 
als die besten deutschen Stücke, welche unzusammenhängend 
zwischen Tapetenmnstern und Schränken umherstehen. In Oester: 
reiä7 sind unter den ausgestellten Gesamn1teinrichtungen nur 
wenige hervorragende vorhanden, das Meiste ist Mittelgut, und 
trotzdem wirkt es. 
Was die österreichische Möbelansstellnng besonders glänzend 
macht, ist der Theil, den man hier als Portaltischlerei be: 
zeichnet, die Ausstattung von Läden, Hausfluren und Aehuliches 
4.
        

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