Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lessing, Julius Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-121254
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Unternehmer bei der Ansstattung den .Hauptnachdruck auf die 
Tapezierarbeiten zu legen lieben. Vor Allem sind es die kleineren 
Unternehmer, welche in der übermäßigen Benutzung von drapirten 
Stoffen schweigen. Man ist allmälig so weit gekommen, nicht 
nur das ganze Gerüst der Sit;3möbel mit Stoff nnd Polsterwerk 
zu überziehen, man tapeziert bereits die Tische, ja selbst die 
Spiegelrahmen,.man iiberzieht sogar die Wände oder einzelne 
Theile.derselben mit gesteppter Arbeit, selbst bis an die Decke 
hat sich die wattirte Stepparbeit verirrt, als ob ein ganzes Zimmer 
nichts anderes wäre, als ein großes, gemeinsames Lotterbett. Ein 
Zimmer und Möbelwerk, dessen Coustrnktion unter Polstern nnd 
Draperien verschwindet, wirkt wie ein Körper, dessen Knochen: 
und Muskelgerüst unter schwam1nige1n Fette vergraben liegt. 
Da die eigentliche Kunst der guten Dekorateure in der Ge: 
sa1nn1tausstattung eines Raumes in allen seinen Theilen beruht, 
so ist natürlich eine Ausstellung, in welcher immer nur einzelne 
Stücke gezeigt werden können, am wenigsten der Ort, um die 
Leistungen derartiger Häuser richtig zu beurtheileu. Auf der Aus: 
steI1ung inParis hatte der Pavillon des Kaisers und der Kaiserin 
eine Reihe von Räumen hergegeben, welche von den verschiedenen 
großen Dekorateuren mit vollendeter Kunst ausgestattet waren. 
Der Paoillon der Kaiserin, von Penon hergerichtet, war ein 
wahres .Juwel an zierlichster, feinster Berechnung aller Mittel, 
an vollendeter Durchführung eines nnd desselben künstlerisch dekora: 
tiven Grundgedankens. Den Franzosen, welche in dieser Kunst 
die unbestrittenen Meister sind, war in Wien keine Gelegenheit 
gegeben, eine derartige Gesammtausstattung herzustellen. Hätte 
Frankreich noch seinen Napoleon, wir würden sicherlich einen 
glänzenden Kaiserpavillon auch im Wiener Prater haben entstehen 
sehen, ebenso wie Oesterreich, Deutschland und Rußland ihre 
Kaiserpaoillons errichtet haben. Von den Franzosen hat diesmal 
nur Penon die Kunst einer harmonischen Einrichtung zur Aus:
        

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