Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lessing, Julius Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120908
das maßgebende ist. Wo irgend größere Einrichtungen nnd um: 
Hassendere Arbeiten austreten, wird man immer nur sagen können, 
Daß eine gewisse Anlehnung an einen früheren Stil stattgefunden 
Habe, daß aber doch ein gutes Stück eigenartiger Kunstbildung 
Darin enthalten ist. 
Das moderne Kunstgewerbe befindet sich augenblicklich in 
Einer Art von Kampf. Die französische Revolntion und die 
JkVßen Kriege im Anfange unseres Jahrhunderts hatten den Fa: 
den der alten Tradition abgerissen. Die Kunst des Romeo, 
Welche sich folgerichtig aus der Renaissanee und dem Barock eut: 
wickelt hatte, war verpönt worden; die prinzipielle Einfachheit 
kepublikanischer Tugend, das starre Römerthun1 des Kaiserreichs 
hatte die höchste Einfachheit der Formen vorgeschrieben. Die 
küustlerisch gesinnten Geister, Schinkel an ihrer Spitze, retteteu 
Ach in das reine Griechenthu1n zurück und suchten, was den For: 
I11en an Reichthutn öder Erscheinung abgiug,s durch Adel und stille 
Größe zu ersetzen. Als sich in Frankreich. der Wohlstand wieder 
hob, hatte man nichts, was man hätte weiterbilden können. Die 
Traditionen des Romeo, welche im Haudwerke noch kümmerlich 
fortlebten und welche von der politischen Richtung der reftanrir: 
ten Mouarchie begünstigt wurden, mußten, so gut es gehen wollte, 
9epflegt werden; man empfand schmerzlich die gäuzliche Ver: 
ödung und Verarmung der Formen und begann nun eine Ars 
beit, in welcher wir noch mitten inne stehen, nämlich die Arbeit, 
alle jene Kunstfertigkeiten wiederzugewinnen, welche frühere Jahr: 
hunderte besessen hatten und welche in der grossen Umwälzung 
der Revolution verloren gegangen waren. Deutsehland war die: 
set Arbeit bisher nur langsam gefolgt. Uns fehlte der Reich: 
thum und das Kunstve1ständnis;, um mehr als das Nothweudige 
für die Herrichtnng unseres täglichen Lebens zu thun. Die ein: 
zehren Luxusstücke, welche wir gebrauchten, wurden von Frank: 
with bezogen, von Frankreich her übernahmen wir auch die wie:
        

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