Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lessing, Julius Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120882
Fortschritt, wenn eine bestimmte Richtung nicht mehr den 
Strömungen einzelner Jahresmoden unterworfen ist, sondern sich 
bleibend und ernsthaft festsetzt, so daß sie sich als bestimmter, 
tnas;gebender Stil einer Zeit herausbildet. 
Wir müssen immer nnd immer wieder die Klage hören, 
daß unsere Zeit keinen eigentlichen Stil, sondern nur Mode: 
kichtungen besitze. Frühere Perioden hatten ihre bestimmt aus: 
geprägte Physiognomie gehabt, so daß wir von einem Stil der 
Renaissance, des Barock, des Rococo, Lndwig7s XVI. und so 
fort sprechen können, während wir abwechselnd und systemlos 
heute nach diesem, morgen nach jenem Vorbilde unsere Arbeiten 
gestalten. Es ist wahr, das; unserer Zeit ein eklektischer Zug 
anhastet, daß wir sehr geneigt sind, bald nach diesem nnd bald 
nach jenem Vorbilde zu arbeiten, und unsere Möbelhändler werden 
Nicht anstehen, ihre verschiedenen Möbel als Renaissance, Barock, 
Louis XVI. oder sonstwie zu bezeichnen. Die Möbel eines 
solchen Magazines stehen scheinbar unvermittelt neben einander, 
wie Stücke verschiedener Jahrhunderte, die zufällig in einem 
Raume zusaInmengekommen sind. Es ist aber doch die Frage, 
ob nicht künftige Jahrhunderte, welche unseren Arbeiten un: 
besangener gegenüberstehen, ,nicht neben diesen Verschiedenheiten 
auch wieder einen gemeinsayn1en Zug in  denselben entdecken 
werden, welcher ihnen den bestimmten Charakter einer Periode, 
D. h. eines Stiles giebt. Schon diejenigen unter uns, deren Auge 
ithärfer gebildet ist, werden 1noderne Nachbildungen, selbst wenn 
sie aus Fälschung berechnet sind, heranszufinden im Stande sein. 
Diese auf Fälschung berechneten Stücke sind aber nur ein ver: 
ithwindend kleiner Theil der Produktion. Wenn wir ein Mobiliar 
nach griechischen Formen herstellen wollen, so ist der Unterschied 
zwischen unseren Bedürfnissen und denen der Griechen so groß, 
daß die daraus nothwendig werdende Umgestaltung der Formen 
Auch den Charakter aller Einzelnheiten auf das Wesentlichste be:
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.