Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lessing, Julius Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-122664
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Raum ein, und selbst wo dieselbe eintritt, sind es mehr die all: 
gemeinen Prinzipien der Färbung und Farbenvertheilung, welche 
nachgeahmt werden, als die eigentliche Komposition und Zeich: 
nung der Figuren. Die Franzosen sind mit vollem Rechte zu 
stolz, neben den Vorzügen der alten Arbeit auch alle Schwächen 
derselben, alle Unvollkommenheiten in der Zeichnung nachzuahmen. 
Sobald man nun aber anfängt, die Sachen besser zu machen, so 
tritt bald eine große Gefahr ein, nämlich die, es zu gut zu 
machen. Was den Arbeiten der großen schöpferischen Kunst: 
perioden, sowohl der griechischen als der Bliithezeit der Gothik 
und der Blüthezeit der Renaissance, ihren besonderen Reiz giebt, 
ist bei Stücken von geringem Werthe vornehmlich das richtige 
Maß künstlerischer Kraft, welche für dasselbe aufgeboten ist. In 
den Zeiten, in welchen aus dem Pollen geschaffen wird, versteht 
man auch zu opfern Und weiß, daß man für einen Teller nicht 
die volle malerische Kraft einzusetzen hat, man weiß, daß die 
Figuren auf demselben nur einen ungefähren Abriß der wirk: 
lichen Erscheinungen geben können, so daß sie frei nach dekoras 
tivem Bedürfnis; und ohne allen Anspruch aus Naturwahrheit 
behandelt werden müsseu.s Je schwcichlicher eine Periode ist, um 
desto mehr wird sie dagegen geneigt sein, bei jedem.einzelnen 
Stücke Alles aufzubieten, was sie überhaupt an Kunstfertigkeit 
besitzt, und daher schließlich die großen Stücke mit kleinen Es: 
fekten überladen und die unbedeutenden Stücke durch zu sorgs 
sättige Behandlung in ein falsches Licht setzen. Mag unsere 
Zeit auch den Vorwurf der Schwächlichkeit nicht verdienen, der 
Vorwurf trifft sie jedenfalls, daß sie selten das richtige Maß zu 
finden weiß für den Grad von Ausführung, den ein dekoratives 
und den ein freies Kunstwerk haben muß. Und. dies ist die ge: 
fährliche Klippe, an welcher die französische Fayencemalerei, 
welche sich in lobenswerthem Eifer auf eigene Füße stellt, zu 
scheitern droht. Die Franzosen haben sehr bald die kiiustlerischen
        

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