Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lessing, Julius Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-120467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-122154
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Kunstgewerbe zwar vieles Jnteressante und Zukunftversprechende, 
aber doch wenig von wirklich eleganter Vollendung zeigt. Mos: 
kauer Goldschmiede haben Schmucksachen ausgestellt, Diademe, 
Halsbänder, Medaillons und Anderes, welche den ganzen Far: 
ben: und Formenreichthum deriköstlichsten Werke des Orients 
und der Renaissance enthalten: leichtbewegtes, geschmackvoll ges 
bogenes Rankenwerk mit goldenen Blättern, die Blätter in leuch: 
tenden, buntencFarben emaillirt, dazwischen Perlen und Edels 
steine mit erlesenste1n Geschmack gewählt und eingereiht: das 
Alles steht inmitten unserer niichternen und farbenarmen Juwelier: 
ku11st so vollständig, so harmonisch in sich abgeschlossen da, als 
ob wir mitten in der Zeit der höchsten Kunstblüthe lebten. Auch 
nur annähernd ähnliche Arbeiten End auf der Ansstellung nicht 
vorhanden. Von hervorragenden französischen Juwelieren wird 
wohl gelegentlich ein Stück in demselben Sinne ausgeführt, es 
bleibt aber vereinzelt. In der ungarischen Abtheilung befinden 
sich Schn1uckstücke für die Ausstattung der magyarischen Nationals 
tracht, welche im Charakter den russischen ähnlich, in der Aus: 
führung weit unbedeutender sind. Ich möchte hier noch erwähnen, 
daß nach einer Notiz von Jakob Falke in seinen Berichten über 
die Pariser Ausstellung in Stuttgart bunt emaillirte Sachen von 
höchstem Geschmack für den Export nach Südamerika angefertigt 
werden. Diese Arbeiten, welche schon in Paris fehlten, scheinen 
leider in Wien auch nicht ausgestellt zu sein. 
Es ist sehr auffallend, daß sich augenblicklich in der Gold: 
sch1niedekunst, soweit dieselbe Reh auf Schn1uckgegenstände erstreckt, 
eine andere RiGtung bemerkbar macht, als in allen übrigen Thei: 
len des Kunsthandwerks. Während man auf allen übrigen Ge: 
bieten die strenge Zeichnung eher vernachlässigt und auf eine 
malerische Gesammtwirkung hinarbeitet, während man Ich be: 
sonders frei zu machen sucht von der ernsten, keine phantastischen 
Ausschreitungen duldenden klasüschen Richtung, welche den An:
        

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