Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-113929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-118857
den Grafen Raczhnski eine ursprünglich für die u1nfassendere Ausschmückung der Lndwigs: 
kirche gedachte Komposition: Christus in der Vorhölle. Es ist begreiflich, daß Cornelius 
in der Olmalerei, die eine sehr große Handwerksübung erfordert, noch viel weniger Er: 
folge als Maler haben konnte, wie in der Freskomalerei. Zudem hatte er dieses Ver: 
fahren seit mindestens sechsundzwanzig Jahren nicht mehr geübt. So ist es nicht zu ver: 
wundern, daß das Bild als Gemälde keinen. Eindruck macht. Dasselbe ist bei den wenigen 
späteren Versuchen des Meisters in der Olmalerei der Fall, einem gleichfalls in der 
Raczynskischen Sammlung zu Berlin befindlichen, übrigens mit fremder Beihülfe aus: 
geführten Bild, welches eine der acht Seligpreisungen Cnach einer der Camposanto: 
ZeichnungenI dargestellt C1851J, und bei einem Bilde, welches in das Stosfgebiet zurück: 
greift, das den Meister zuallererst begeistert hatte: Hagen versenkt den Nibelungenhort 
in den Rhein Cgemalt 1859 für den Konsul Wagener, jetzt in der Nationalgaleries.  
Während des ersten Jahres seiner Anwesenheit in Berlin besuchte Cornelius London, 
wohin ihn ein großer Auftrag führte, der sich aber infolge des Todes des Bestellers 
zerschlug; bei dieser Gelegenheit wurde er über die Ausschn1iickung der englischen Parlaments: 
gebäude zu Rate gezogen. Die französische Hauptstadt hatte er schon früher, auf einer 
während der Arbeiten in der Ludwigskirche unternommenen Erholungsreise, besucht, und 
hier hatten ihn sowohl König Louis Philippe als auch seine französichen Kunstgenossen 
mit Auszeichnungen bedacht.  Nach der Rückkehr aus England entwarf er zunächst, 
nachdem er eine gefahrdrohende Augenkrankheit glücklicj überstanden hatte, die sinnvolle 
Komposition des sogenannten Glaubensschildes, den Friedrich Wilhelm 1V. als Paten: 
geschent für den Prinzen von Wales in Silber, mit reichen Znthaten von Juwelenfchmuck, 
ausführen ließ, und von dem sich eine Wiederholung in der Berliner Nationalgalerie 
befindet. Die Mitte des Schildes nimmt dass Vrustbild des Erlösers ein; vier Kreuzes: 
arme mit den Bildern der vier Evangelisten und der Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung 
und Gerechtigkeit gehen von der Mitte aus; zwischen ihnen sind die Taufe und das 
Abendmahl Christi nebst den alttestamentlichen Vorbildern des Moses, der das Wasser 
aus dem Felsen schlägt, nnd des Mannaregens in der Wüste dargestellt; außen herum 
zieht sich ein Ru11dfries mit weiteren Darstellungen aus dem Evangelium, an die sich 
die sinnbildlich cingekleidete Ankunft des königlichen Taufzengen bei dem neugeborne11 
Prinzen anschlieszt.  Es folgten Kartons zu Glasfcnstern für die Begräbniskapelle des 
Großherzogs Paul Friedrich von Merklenbnrg:Schwerin im Dom zu Schwerin, einzelne 
biblische Gestalten und als Hanptdarstellung Christi Hi1nmelfahrt enthaltend; ferner 
Zeichnungen aus Tassos ,,Befreite1n Jerusalems, als Skizzen zu lebenden Bildern, welche 
im Winter 1843 am Berliner Hof aufgeführt wurden. Auch für mehrere Denkmünzen 
lieferte Cornelins Zeichnungen. Zugleich aber beschäftigten ihn schon die Entwiirfe für 
den Cnmpo Sande. 
Friedrich Wilhelm 1V. beabsichtigte an der Stelle des kümmerlich zopfigen 
Berliner Doms aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen stattlichen Neu: 
bau aufführen zu lassen. Daran sollte sich die Begräbnisstätte seines Hauses 
fChließen in Gestalt einer um einen viereckigen Hof heru1ngelegten nnd nach diesem 
hin in Arkaden geöffneten Halle, nach Art der mittelalterlichen Krenzgänge und 
vieler italienischen Friedhofsanlagen. Nach dem Beispiel des berühmten Campo 
santo zu Pisa sollten die vier großen geschlossenen Wände dieser Halle über und 
über bemalt werden. Das war Cornelius1 Aufgabe. Um sich frische Anregungen 
zu holen, begab sich der Meister im Herbst 1843 nach Italien, und bis zum 
Winter 1844 auf 1845 vollendete er, teils in Rom, teils in Berlin, die ersten 
Entwiirfe zu dem ganzen umfangreichen Werk. ,,Jeder Atemzug bei dieser Arbeit
        

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