Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-113929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-116044
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Die 
Renaissa11ce. 
zum Teil sehr prächtigen Formen der reifen Renaissanee. Der Bau selbst 
wurde, wie eine Jnschrift meldet, im Jahre 1554 durch Nickel CNikolausJ Hof: 
Mann  einen übrigens ganz dem neuen Stil ergebenen Meister  fertig gestellt. 
Zwischen dem Bau der Marktkirche zu Halle und den nächsten größeren 
Schöpfungen der kirchlichen Baukunst Deutschlands liegt eine Kluft. Als in 
den achtziger Jahren des Jahrhunderts die kirchliche Bauthätigkeit wieder anfing 
lebhaster zu werden, konnte niemand mehr daran denken, eine gotische Kirche zu 
bauen. Aber es wurden jetzt mehrfach Versuche gemacht, aus der Durcheinander: 
n1ischung von Gotik und Renaissance einen dem Zeitgeschmack zusagenden kirch: 
lichen Stil zu schaffen. Zumeist sind die Werke dieser Art mehr um ihrer 
eigentümlichen kunstgeschichtlichen Stellung willen bemerkenswert, als daß sie 
das Auge eines BescJauers, der im Kunstwerk die Schönheit sucht, zu erfreuen 
vermöchten. 
An der Spitze steht die Universitäts: oder Neubaukirche zu Würzburg, eine Schöpfung 
des Bischofs Julius Echter von Mcspelbrunn  des Stifters der Universität 
und des Julius:Hospitals. Sie wurde in den Jahren 1582 bis 1591 aufgeführt. Ihr 
Mittelschiff endet in einer halbrunden Chornische, die Wölbungen sind einfache Kreuz: 
gewölbc. Die Seitenschiffe bestehen aus je drei Geschossen von Pseilerarkaden, derensRund: 
bogen von doriichen, ionischen und korinthischen Halbsäule11 mit entsprechenden Gebälken 
eingerahmt werden; während diese Anordnung sich genau an antike Vorbilder, wie 
römische Theaterbauten Cz. B. das Colosseum; sie zeigen, anschließt, sind die teils rund: 
teils spihbogigen Fenster mit Pfosten und Maßwerk in völlig gotischer Art versehen. 
Auch die Fasfade zeigt über dem. giebelbekrönten Renaissanceportcil eine große ,gotische 
Rose und ein hohes Maßwerkfenster. Jm übrigen wird die Erscheinung des Äußeren 
wesentlich durch Zuthaten und Veränderungen vom Ende des 17. Jahrhunderts be: 
herrscht.  Ein ganz ungewöhnlicher Bau ist die von Heinrich Schickhardt, einem der 
gefeiertsten Vaumeister seiner Zeit, in den Jahren 1601 bis 1608 ausgeführte Kirche der 
von Herzog Friedrich I. von Württemberg zur Aufnahme der aus Ostreich aus: 
gewanderten Protestanten gegründeten Stadt Freudenstadt. Diese Kirche weicht in ihrer 
Anlage von allem Herkommen ab, indem sie aus zwei rechtwinklig aneinander stoßenden 
Flügeln, mit dem Altar in der Mitte, besteht; an den beiden Enden erheben sich statt: 
liche Türme. Hier sind nicht nur die Fenster ganz gotisch gehalten, mit SpiHbogen und 
Maßwerk, sondern auch die Portale sind zum Teil spitzbogig und mit einander durch: 
schneidendennStäben nach spätgotischer Art eingefaszt; und die alIerdin s nur in Holz 
ausgeführte 1lberwölbung zeigt ein reiches Rippennetz. Die Türme mit isten geschweiften 
Dächern haben MaßnJerkgalerien. Jn1 übrigen aber herrschen überall antike Formen 
.vor.  Die Jesuitenkirche zu Koblenz  zeigt an ihrer Fassade ein über: 
reiGes Spätrenaissance:Portal mit Säulen und hoher Bekrönung, darüber ein großes 
gotisches Rosensenster: auch die übrigen Fenster sind ganz gotisch. Jm Innern hat sie 
Rundpfeiler, die dorischen Säulen nachgebildet sind, und gotische Netzgewölbe. 
Anziehender als solche unvermittelte DurcheinanderInischungen von grund: 
verschiedenen Bestandteilen sind die vereinzelten Versuche, welche auf eine völlige 
Verschmelzung beider Stile ausgingen. Die im Jahre 1608 in Bau genommene 
Marienkirche zu Wolsenbüttel zeigt diesen Versch1nelzungsstil in vollständigster 
Durchführung. Nach Anlage und Aufbau ist diese Kirche gotisch; aber jede 
Einzelheit gehört dem neuen Stil an, es ist gewissermaßen alles Stück für Stück 
in die Spätrenaissance übersetzt. Die Strebepfeiler haben ihre charakteristische
        

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