Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-110672
Die 
drei 
Dorne. 
rheinischen 
Stoßen 
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gefunden hättentt, ist das älteste und schönste Beispiel jener stolzen Riesenwerke 
der deutschen Baukunst, die in erhabener Kühnheit, wie spielend mit dem schweren 
Stoff des Steins, mit ganz durchbrochener, aus dünnen Stäben und Maß: 
merk zusammengeset;ter Spitze in die Lüfte ragen. Über dem mit einer Brüstung 
gekrönten und an den Ecken mit Strebepfeilern versehenen viereckigen Unterbau, 
der in verhältnismäßig einfachen Massen bis über den Dachsirst des Mittel: 
schisfs aufsteigt, erhebt sich, leichter als jener und von unten nach oben an 
Reichtum des Schmucks und an Lustigkeit zunehmend, das achtseitige Glocken: 
haus, von vier kräftigen Fialen, die den Übergang aus dem Viereck in das 
Achteck vermitteln, begleitet; in der Mitte seiner Höhe, da wo die spitzen 
Endigungen der Eckfialen sich vom Turmkörper lösen, ist dasselbe durch ein 
Gewölbe geschlossen und steigt von hier an völlig offen mit acht großen Fenstern 
empor. Zwischen den Wimbergen, welche diese Fenster überdecken, und den 
schlanken Fialen der acht Ecken erhebt sich dann der lustige Helm, aus acht in 
steiler Schräge aufsteigenden, in Wirklichkeit sehr starken, von unten aus aber 
sehr dünn erscheinenden Rippen gebildet, die mit Krabben beseht und durch 
Querbalken und wechselnde Maßwerkfignren miteinander verbunden sind, bis 
sie in ihrem obersten Teil ganz frei gegencinander streben, um in einer Kreuzblume 
den letzten Abschluß zu finden CAbb. 17ZJ. Die Gesamthöhe des Turmes, dessen 
drei Abschnitte, der vierseitige Unterbau, das achtseitige Glockenhaus und der 
spitze Helm, ungefähr gleich hoch sind, sich dem unten stehenden Beschauer daher 
infolge der perspektivischen Verkürzung so darstellen, als ob jeder Abschnitt 
niedriger sei als der unter ihm befindliche, beträgt 116 Meter. 
Nicht lange nach Vollendung des Turms, wie es scheint, wurde der Beschluß 
gefaßt, auch den Chor neu zu bauen; eine Jnsihrist berichtet, daß der Grund: 
stein zu dieser Erneuerung im Jahre 1354 gelegt wurde, und aus einer Ur: 
kunde von 1359 erfahren wir, daß der Rat der Stadt den Meister Johannes 
von Gmünd als Werkmeister des neuen Chores und des Münsters aus Lebens: 
zeit anstellte. Aber  wir wissen nicht aus welchen Gründen  erst mehr 
als ein Jahrhundert später wurde die Ausführung des jetzigen Chores thatkräftig 
in Angrifs genommen. Jm Jahre 1471 wurde zu diesem Zwecke Meister Hans 
Niesenberger aus Gras; unter besonders vorteilhaften Bedingungen angestellt. 
Derselbe erhielt ein Jahresgehalt mit der Verpflichtung, alle Vierteljahre einmal 
Nach dem Bau zu sehen, für einen tüchtigen Polier und tüchtige Gesellen zu 
sorgen und in Bezug auf die Zahl der Arbeiter sich nach den Wünschen der 
Baupfleger zu richten; für die Zeit seiner Anwesenheit und Thätigkeit in Freiburg 
bekam er. außerdem einen Taglohn. Der Bau des langgestreekten, von einem 
niedrigeren Un1gang und einem Kapelleukranze umgebenen Chores, dessen Mittel: 
sthifs noch höher hinaufgeführt und dabei noch schmäler ist als das des Vorder: 
Hauses, während der Umgang sehr viel schmäler ist als die vorderen Seiten: 
schiffe, so daß selbst die Kapellen über deren Flnchtlinie nicht hervorragen, war 
im Jahre 1513 vollendet. Mit dein verschlnngenen Netzwerk der Gewölberippen, 
mit dem vielgestaltig zusa1n1nengeseHten Maßwerk der abwechselnd durch breite
        

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