Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107988
der 
Anfänge 
Die 
deutschen Kunst. 
gefiihrten kleinen Kirche in Cividale Cder ehemaligen langobardischen Grenzstadt 
ForojuliumI, ein mit römischen Säulen und Steingebälken und mit lebensgroßen 
Stuckfiguren von augenscheinlich byzantinischer Arbeit geschmücktes Werk, noch 
die in derselben Stadt erhaltenen Denkn1ale langobardischer Steinbildnerei und 
Kleinkuust aus der Zeit der Herzöge Ursus, ,PeIumo und Ratchis C8. Jahr: 
hundertJ verraten schöpferische Kraft oder auch nur einigermaßen guten Geschmack. 
Da in ganz Jtalien jetzt die Kunst sehr tief sank, mußten die noch ungeübten 
Langobarden erst recht in den Verfall mit hineingerissen werden. Daß sie 
aber selbst noch im 9. Jahrhundert wenigstens auf dem Gebiete der Gold: 
schmiedekunst für diese Zeit sehr Heroorragendes zu leisten imstande waren, daß 
sie hierin auf der Höhe des damaligen italienischen Kunsthandwerks standen, 
beweist die aus Gold: und vergoldeten Silberplatten hergestellte, mit Gemmen 
und mit Schmelzwerk byzantinischer Art geschmückte und .mit Reliefbildern be: 
deckte Bekleidung des Hochaltars von St. Ambrosius zu Mailand, deren Ver: 
sertiger sich neben der Darstellung eines von dem heiligen Bischof lgekrönten 
Mannes als Schmiedemeister Wolfin genannt hat. 
Bei allen germanischen Stämmen nahm während des Zeitalters der Völker: 
wanderung die schon vorher verhältnismäßig hoch entwickelte Goldschmiedekunst 
einen weiteren Aufschwung. Je mehr die vereinzelten Stämme sich zu Völkern 
zusammenballten, je mehr die Macht der Fürsten sich ausdehnte, um so eisriger 
mußten diese darauf bedacht sein, sich einen großen ,,HortU zu verschaffen; denn 
Freigebigkeit wurde von jeher als eine hervorragende und unentbehrliche Eigen: 
schaft der germanischen Herrscher angesehn, die in alten Liedern den stehenden 
Beinamen ,,RingzerteilerU führen; jede verdienstliche That eines Edlen mußte 
durch ein Schmuckstück belohnt werden, und dabei dem Volksfürsten selbst doch 
noch kostbares Prunkgerät genug übrig bleiben um auch an solchem BesiH vor 
allen andern sich auszuzeichnen. Zahlreiche Stellen des fränkischen Geschicht: 
schreibers Gregor, Bischofs von Tours, geben uns einen Begriff von dem 
ungeheuren Reichtum der aufgehäuften Schätze der Merovinger. Der den 
Germanen eigne Sinn für reiche Verzierung der Metallarbeiten verhinderte 
dabei, daß man sich mit dem bloßen stofflichen Wert der Gegenstände begnügte: 
alle Flächen wurden mit Verzierungen überdeckt, wobei neben den altertümlichen 
Band: und Tierverschlingungen immer häufiger regelmäßige, an die byzantinische 
Kunst sich anlehnende Musterungen angewandt wurden. Man erlernte oder 
erfand auch eine eigentümliche Art, die Wirkung des Goldschmucks durch Farben: 
reiz zu erhöhen. Die zu verzierenden Flächen wurden ganz oder teilweise mit 
einem Netzwerk von schmalen Goldleistchen überzogen, und in die so entstehenden 
Zellen Plättchen von farbigem Glase oder von Edelsteinen und Halbedelsteinen 
genau einge,paßt; um den Glanz dieser bunten Zierden noch zu steigern, wurden 
denselben häufig gewellte oder mit neszartigen Vertiefungen bedeckte dünne Gold: 
blättchen untergelegt. Derartigen Schmuck zeigen z. B. die schon erwähnten, zu 
Ravenna befindlichen Bruchstücke einer gotischen Prachtrüstung und der Buch: 
deckel der Theudelinde.
        

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