Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-110470
Dass 
erste Auftreten 
gotischen 
Baustils 
Deutschland. 
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Aufbewahr1mg des geheijnnisvollen W1mdergefäßes, das der Sage nach zur Anfnnhn1e von 
Christi Herzblut gedient hatte, in der Wildnis errichtet, hat die ungewöhnliche  aber bei dem 
gefchichtlirhen Templerorden beliebte  Gestalt eines Rundbaues. Sie enthält nicht weniger 
als ,,zweiundsiebzig Chöre, 
 Nach außen hin hervorgestoßen, 
Jeglicher Chor besondersU, 
 eine dichterisch iibertreibeude Ausbildung des stattlichen Chorkapel1enkran;es3 der Kathedralen, 
1nit ausdrücklicher HerVorhebung der gotischen Stileigenttin1lichkeit, welche jeden Bauteil in 
seiner selbständigen Bedeutung zeigt. Jeder Chor dient zur Aufnahme eines besonderen, nach 
Osten gerichteten und mit Reliquienkapseln, Seh:nucktaseln, kostbaren Bildern und reichen 
Ciborien aussgestatteten Altares. Drei unvergleichlich reiih geschmüekte Pforten führen in das 
Heiligtum, von Süden, Westen und Norden, wie es der gotische Stil allgemein feststellte, 
während die frühere Bauweise sich häufig mit einem westlichen Haupteingang begniigt hatte. 
Die kleinen und großen Gewölbe, die sich auf ehernes: Säulen und Pseilern erheben, 
,,Mit Schwibbogen unterstoßen, 
Von vier Ecken über sich sgefcJlosscnU, 
werden 
gebildet, 
daß 
Wie 
Durchblick 
Himmelsdom 
freien 
den 
erscheinen: 
f ein 
andrer 
Stein kommt 
,,Überall das Gewölbe oben 
Ward aus Saphir gewölbet;U 
dazu, 
,,Nur daß 
Die gleich 
es licht besternt war mit Karfuukeln, 
der Sonne leuchteten.U 
Auch die Wirklichkeit mit ihren bescheideneren Mitteln liebte es, den Wölbungsfeldern blaue 
Farbe zu geben Und sie mit goldnen Sternen zu bestreiten. Die Einbildungskraft des Dichters 
geht noch weiter in der Ausmaluug eines naturgetreuenAbbildes des Himmels: die goldfarbene 
Sonne und der silberweiße Mond, aus Edelsteinen gebildet, bewegen sich durch ein künstlic1JesIs 
Werk am Gewölbe. 
,,Wes Auge es erblickte, 
 Des Herze ward im Jammerthale so geleitet, 
Daß die Gedanken gehen 
 Hin zu dem Him1nelsthrone  
Und alle Ding verschmähen, 
Die da rauben solche Krone, 
Die die Armen zu den Königen setz.et.U  
 Die mit Beryllen und Kristallen geschlossenen Fenster lassen eine solche Fülle von Licht 
E1k1strönie11, daß das Auge des Beschauers Schaden leiden würde, wenn nicht der Glanz ge: 
tn1ldert worden wäre durch buntes Bildwerk, zu welchem wieder Edelsteine den Herstellungsstoff 
Ufern: Saphir für Lasursteinblau, Topas für Gelb oder Goldfarbe u. s. to.  Mit staunen;3: 
würdiger Fertigkeit wußte dass Mittelalter in der That in seinem gebrannten Glas die Farbe 
der Edelsteine nachzuahmen. 
Bei soviel Freude an Licht und Glanz kann es nur natürlich erscheinen, das; die 
Dunkelheit und Niedrigkeit .der Krypten den Empfindungen des Dichters und der Zeit, ans 
deren Anschauungen heraus er redet, entschieden widerstrebte; es klingt wie ein för1nlicher 
Abscheu durch die Strophe: 
,,Ob sich da Grüste finden2 
 Nein, Gott der Herr bewahre, 
Daß unter Erdengriinden 
K Reiness Volk sich je verstohlen schare, 
Wie was in Grüsten sich zusannnensindetl
        

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