Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-110347
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Der 
romanische 
Stil. 
um so bewunderuswürdiger ist die Mannigfaltigkeit der Stellungen, durch welche der 
Künstler die eintönigften Handlungen zu beleben wußte. Alle Bewegungen sind sprechend 
und ausdrucksvoll, die Köpfe ansge eichnet tAbb. VII.  
Es ist sehr anziehend, mit diesEn Miniatnren si:lJcl;e aus der Blütezeit der Renaissanee, 
wie deren dieselbe Bibliothek ganz ausgezeichnete besitzt, unmittelbar zu vergleichen. 
 Diese sind mit allen Reizen des Realismus ausgestattet n11d blenden durch die vollendete 
maleristhe Bildwirkung und die wunderbar feine Modellierung. Jene mittelalterlicheu 
Bilder sind dagegen unkörperhaft, es fehlt die Rän1nlichkeit der Anordnung, alle starken 
Wirkungen von Hell und Dunkel find vermieden, da der Goldgrnnd einen beherrscheuden 
GegensaH gegen alle Farben bildet. Dennoch stehen dieselben als künstlerische Schöpsungen 
ebeubiirtig neben den um drei Jahrhunderte jüngeren Meifterwerken; im Charakter und 
großartigen Ausdruck der Köpfe sind sie ihnen fast überlegen. 
Unter den Büchern, die eine Ausschmiickung von ähnlichen Vorzügen besiHen wie 
dieses Evangelienbuch ist ein etwas älterer Psalter in der königlichen Privatbibliothek 
 zu Stuttgart besonders anziehend, der für den Landgrasen Hermann von Thüringen 
C1193g1216; angefertigt wurde und am Schlusse die Bilder dieses Fürsten und seiner 
zweiten Gemahlin Sophie sowie die der Könige von Ungarn und Böhmen mit ihren 
Gemahli11nen enthält; bei diesen Bildnisfen, wenigstens bei den beiden ersten, ist es 
ersichtlich, daß der Künstler sich bemüht hat, wirkliche Porträts zu schaffen. 
J1i voller Blüte stand jetzt jene flüchtige Jllnstrierung der Bücher durch 
Federzeichnungen. Jn Werken solcher Art finden wir nur selten etwas wirklith 
Schönes, aber eine Menge von neuen Gedanken, 
IF frisch und unbefangen erfnndenen, oft genrehaften 
I  .wHs,7 Darstellungen. Gelegentlich bildete der Schreiber, 
se T  der bei solchen Arbeiten wohl stets auch der Zeichner 
F,   wkik,ysich. ssenist am Sc;riisse des Baches eh, So 
kHs  N hat sich in einer Handschrift der Kap1telsb1bliothek. 
VI , , zu Prag der Schreiber Hildebert in einem launigen 
  Bildchen auf die Nachwelt gebracht, 
 F J N7II4WEHsss wie er sich, die Feder hinter dein 
 V ,   Ohr, am Schreibpulte nmdreht, um 
 s it I. mit dem Poliersteine nach einer 
X.  s V  Maus zu werfen, die sich auf seinen 
 J     
 P W H US . ji Esztisch geschlichen hat; auf.eine.n1 
  IF V  Schemel zu seinen Füßen sitzt ein 
 W T  D  Klofterschüler Everwin und übt sich auf einer Tafel 
iKSWf:s im Ornamentzeichnen CAbb. 156J. 
,Zx,x Es wurde damals.außerordentlich viel ges 
..:8Es V H schiiebeii ii:iduvie1 illustriert, nnd in dieser leichten 
Aus. 156. Fedeiszeiehiiuiig aus eiiiek nnd kiiuftlerifch anspruchslosen Art konnte ein 
PMSOs H0Ndg2lVdEZ;;rJEV SEhT0TM fleißiger Mann eine große Menge von Bücher1l 
Mach Wolt1uanu, Geschichte der Malerci.I EJierstclgeUs  sUiche17dflc1ßE1gi,k FLfIc;,bc1tcg5, dcgYZOIxP 
YDUkcI We er III Bill cl III cU c11c I M H 
klofter Scheuern unter den Äbten Konrad  und Heinrich  
als Schreiber, Maler nnd Goldschmied thätig war, hat in einem der von ihm 
geschriebenen und mit leicht augemalten Federzeichnungen ausgestatteten Bücher,
        

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